Meersäuli-Drama : «Meerschweinchen sind keine Streicheltiere»
Aktualisiert

Meersäuli-Drama «Meerschweinchen sind keine Streicheltiere»

Sie sind schwierig zu halten und werden vorschnell angeschafft: Jean-Michel Hatt, Professor an der Zürcher Tierklinik, wundert sich nicht, dass Meersäuli häufig ausgesetzt werden.

von
Maja Sommerhalder

Herr Hatt*, noch nie musste sich der Zürcher Tierrettungsdienst um so viele ausgesetzte Meerschweinchen kümmern wie im Jahr 2013. Wundert Sie das?

Nein, viele Leute schaffen sich Meerschweinchen an, ohne gross zu überlegen. Sie halten sie für süsse Kuscheltiere und sind sich gar nicht bewusst, wie anspruchsvoll sie zu halten sind.

Was meinen Sie damit?

Das fängt mit der Fütterung an. Meerschweinchen brauchen Vitamin C und viel Heu, weil sie eine empfindliche Verdauung haben. Viele Halter geben ihnen aber zu viel Kraftfutter, was die Tiere schnell fett werden lässt. Auch werden sie nicht gerne gestreichelt und geknuddelt. Viel lieber verbringen sie Zeit mit ihren Artgenossen. Deshalb ist es auch verboten, die Tiere allein zu halten. Es reicht aber nicht, wenn man sie mit einem Kaninchen ins Käfig tut.

Trotzdem lagen wohl auch dieses Jahr wieder viele Meerschweinchen unter dem Weihnachtsbaum.

Es ist problematisch, wenn man Kinder mit Haustieren überrascht. Ein solches Geschenk muss gut vorbereitet sein. Kinder und Eltern sollten sich über die Haltung und das Wesen der Tiere informieren. Gerade bei Meerschweinchen muss man sich bewusst sein, dass sie eine Lebenserwartung von sechs Jahren haben. Das ist eine lange Zeit für ein Kind. Möglicherweise hat es irgendwann andere Interessen, als sich um sein Haustier zu kümmern.

Ein weiteres Problem ist, dass sich Meerschweinchen schnell vermehren.

Tatsächlich sind Meerschweinchen schnell geschlechtsreif und nur 60 Tage trächtig. Wenn man nicht aufpasst, hat man schnell eine ganze Herde. Heute kann man diesem Problem aber mit der Kastration entgegenwirken. In einzelnen Fällen, kann es aber vorkommen, dass bereits trächtige Meerschweinchen verkauft werden.

Was ist zu tun, wenn man die Tiere nicht mehr will?

Auf keinem Fall aussetzen. Man macht sich damit strafbar und riskiert, dass die Tiere verhungern und erfrieren. Man sollte sie in einem Tierheim abgeben. Vielerorts ist das kostenlos möglich.

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*Jean-Michel Hatt ist Professor in der Zürcher Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere

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