Mega-Raub: Täter auf der Flucht
Aktualisiert

Mega-Raub: Täter auf der Flucht

Schwer bewaffnete Räuber, die sich als Polizisten tarnten, haben beim grössten bewaffneten Raubüberfall in der Geschichte Grossbritanniens umgerechnet bis zu 90 Millionen Franken erbeutet.

Trotz Grossfahndung gab es am Donnerstag noch keine heisse Spur.

Die Behörden setzten eine Belohnung von bis zu zwei Millionen Pfund (rund 4,5 Millionen Franken) aus für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen.

«Ich möchte betonen, dass diese Männer bewaffnet, gefährlich und gewaltbereit sind», sagte Hauptkommissar Paul Gladstone, der die Ermittlungen leitet.

Die Gangster hatten am frühen Mittwochmorgen bei dem offensichtlich von langer Hand geplanten Überfall auf das regionale Depot der Wertschutzfirma Securitas für den gesamten Südosten Englands in der Ortschaft Tonbridge Paletten voller Bargeld in alten und neuen Scheinen erbeutet.

Sechs bis neun Täter

Zwei Mitglieder der insgesamt sechs bis neun Mann starken Bande hatten am Dienstagabend den Direktor des Gelddepots gefangen genommen. Zwei weitere Täter entführten dessen Ehefrau und den achtjährigen Sohn.

«Sie drohten mit der Erschiessung der Familienmitglieder, wenn der Direktor ihnen nicht den Zugang zu dem Depot ermöglichen würde», sagte ein Polizeisprecher. In dem Geldlager, wo Barmittel für tausende kleine und mittlere Unternehmen Südostenglands lagerten, fesselten die Gangster 15 Wachleute.

Die Beute des Raubs in Tonbridge, bei dem niemand verletzt wurde, dürfte nicht nur weit grösser sein als die des legendären britischen Postraubs von 1963.

Der Schaden übertreffe auch jenen beim Überfall auf die Northern Bank in Belfast im vergangenen Jahr, berichtete der Sender BBC. Dieser ebenfalls bis ins Detail geplante Raub von Goldbarren im Wert von umgerechnet rund 58 Millionen Franken galt bislang als folgenschwerster Einbruch Grossbritanniens. Die Haupttäter auch dieses Überfalls sind weiterhin flüchtig.

Flucht ins Ausland?

Obwohl die Kontrollen an allen Grenzübergängen des Königreichs verschärft wurden, äusserten Ermittler den Verdacht, dass die Täter längst ins Ausland geflohen seien. Sie wiesen nach britischen Medienberichten darauf hin, dass mindestens eine Stunde vergangen sei, bis die Polizei alarmiert werden konnte. Die ostenglische Küste sei vom Tatort aus mit dem Auto in kürzerer Zeit erreichbar.

«So viel ist sicher: Dieses Verbrechen war ganz exakt und langfristig geplant», erklärte Einsatzleiter Gladstone. Die Polizei gehe davon aus, dass die Täter sich früher oder später auffällig verhalten oder von Mitwissern verraten werden würden.

Komplizen in der überfallenen Firma

Es bestehe auch der Verdacht, dass die Gangster Komplizen in der Sicherheitsfirma hatten. Sie hätten sich auf interne Lagekenntnisse stützen können, hiess es in Ermittlerkreisen. Wichtige Hinweise verspreche man sich von der Auswertung der Videobänder der Überwachungskameras sowie von weiteren Vernehmung der Zeugen.

Obwohl die Bank von England die Gesamtsumme der Beute bislang nicht offiziell bestätigte, bezeichneten britische Medien den Geldraub übereinstimmend als den grössten in der Kriminalgeschichte des Königreichs.

Eine Sprecherin der Bank sagte: «Die Versicherung der Firma Securitas hat den anfänglich geschätzten Schaden von 25 Millionen Pfund (rund 56 Millionen Franken) umgehend ersetzt, und eine weitere Entschädigungssumme wird erwartet, sobald das ganze Ausmass bekannt ist.» (sda)

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