Aktualisiert 22.12.2003 13:45

Mega-Schiff «Queen Mary 2» nimmt Kurs auf England

Fünf Wochen nach dem dramatischen Unfall mit 15 Toten ist die «Queen Mary 2» im westfranzösischen Saint-Nazaire der Cunard-Reederei übergeben worden.

Das weltweit grösste Kreuzfahrtschiff sollte am Montagnachmittag die Alstom-Werft Chantiers de l'Atlantique im Rahmen einer schlichten Zeremonie endgültig verlassen.

Rund 12.000 Arbeiter haben den 345 Meter langen Luxusliner, der 2.600 Passagieren Platz bietet, in weniger als zwei Jahren gebaut. Überschattet wurden die Arbeiten vom Einsturz einer Landungsbrücke am 15. November, der 15 Besucher und Beschäftigte einer Reinigungsfirma in den Tod riss.

Die zunächst geplanten Feiern wurden deshalb abgesagt, doch versammelten sich am Montag mehrere tausend Schaulustige zum Abschied von der «Queen Mary 2». Die Fliegerstaffel Patrouille de France sollte die Farben der französischen Trikolore in den Himmel schreiben.

Der 150.000-Tonnen-Gigant wird am 27. Dezember in Southampton erwartet, wo er am 8. Januar von der britischen Königin Elizabeth II. getauft wird. Bis dahin absolviert es vor der galizischen Küste Testfahrten, auf denen sich vor allem die 1.254 Mann starke Crew mit dem Schiff der Superlative vertraut machen soll. «Bei 13 Decks verlaufen sie sich doch fünf Mal in den ersten drei Tagen», sagte ein Cunard-Sprecher in Hamburg. «Auch der Service für die 1.310 Kabinen und die Speisenzubereitung für 2.600 Passagiere muss sich erst mal einspielen.»

Die Jungfernfahrt nach Florida ist Cunard zufolge ausgebucht. Am 19. Juli legt das Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen an. Aus dem deutschsprachigen Markt gebe es bereits 6.000 bis 7.000 Buchungen, erklärte der Sprecher. Eine siebentägige Atlantiküberquerung kostet zwischen 1.710 Euro und 30.190 Euro.

Die Werft des angeschlagenen Alstom-Konzerns sieht nach der Auslieferung der «Queen Mary 2» düsteren Zeiten entgegen. Im April nächsten Jahres wird nach Gewerkschaftsangaben ein letztes Kreuzfahrtschiff fertiggestellt, Neuaufträge hat das Unternehmen trotz der weltweit wieder günstigeren Lage der Branche seit 2001 nicht mehr eingefahren. Arbeit gibt es dann nur noch durch Aufträge von staatlicher Seite. (dapd)

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