«Grösste wissenschaftliche Zusammenarbeit aller Zeiten»: Mega-Studie empfiehlt Corona-Impfung vor geplanten Operationen
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«Grösste wissenschaftliche Zusammenarbeit aller Zeiten»Mega-Studie empfiehlt Corona-Impfung vor geplanten Operationen

Flächendeckende Corona-Impfungen bei Patienten, die geplant operiert werden, könnten jedes Jahr weltweit fast 60’000 Leben retten. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende, auch aus der Schweiz, in einer grossangelegten Studie.

von
Lucas Orellano
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Forschende empfehlen in einer Studie, dass Patientinnen und Patienten, die sich einer geplanten Operation unterziehen, beim Impfen priorisiert werden.

Forschende empfehlen in einer Studie, dass Patientinnen und Patienten, die sich einer geplanten Operation unterziehen, beim Impfen priorisiert werden.

20min/Marvin Ancian
 Die «Number Needed to Vaccinate», also die Anzahl Patienten, die pro Jahr geimpft werden müssen, um einen Tod zu verhindern, liegt bei über 70-Jährigen allgemein bei 1840. Ohne Operation.

Die «Number Needed to Vaccinate», also die Anzahl Patienten, die pro Jahr geimpft werden müssen, um einen Tod zu verhindern, liegt bei über 70-Jährigen allgemein bei 1840. Ohne Operation.

20min/Marvin Ancian
Wird in der gleichen Altersgruppe eine geplante Operation durchgeführt, ist der Effekt fast doppelt so gross: 733 Impfungen könnten dann ein Leben retten.

Wird in der gleichen Altersgruppe eine geplante Operation durchgeführt, ist der Effekt fast doppelt so gross: 733 Impfungen könnten dann ein Leben retten.

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

  • An der Untersuchung nahmen über 15’000 Chirurgen und Anästhesisten aus 116 Ländern teil.

  • Die Forschenden empfehlen aufgrund ihrer ausgewerteten Daten, Operations-Patienten bei der Impfstrategie zu priorisieren.

  • Sie versprechen sich davon bis fast 60’000 gerettete Leben pro Jahr.

  • Ausserdem eine Senkung der Gesundheitskosten und eine Entlastung für Intensivstationen.

Forschende haben in einer grossangelegten Studie mit über 140’000 Teilnehmenden untersucht, wie sinnvoll eine Impfung gegen das Coronavirus vor einem chirurgischen Eingriff ist. Mit über 15’000 Chirurgen und Anästhesisten aus 116 Ländern ist es nach Angaben des Forscherteams die grösste wissenschaftliche Zusammenarbeit aller Zeiten. Mitgemacht haben auch 54 Ärztinnen und Ärzte aus der Schweiz.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die Impfung vor der Operation einen hohen Nutzen aufweist. Demnach profitieren vor allem über 70-Jährige und Krebspatienten. In den ersten 30 Tagen nach einer Operation haben am Coronavirus erkrankte Menschen ein 4- bis 8-fach höheres Sterberisiko. Bei über 70-jährigen Krebspatienten steigt das Sterberisiko bei einer Corona-Infektion um ein Siebenfaches.

Deutliche Reduktion bei benötigten Impfungen

Die Auswertungen der Forschenden zeigen, dass eine Covid-19-Impfung vor geplanten Operationen zahlreiche Todesfälle verhindern könnte. Die «Number Needed to Vaccinate», also die Anzahl Patienten, die pro Jahr gegen Corona geimpft werden müssen, um einen Tod zu verhindern, liegt bei über 70-Jährigen allgemein bei 1840. Ohne Operation.

Wird in der gleichen Altersgruppe eine geplante Operation durchgeführt, ist der Effekt fast doppelt so gross: 733 Impfungen könnten dann ein Leben retten. Bei einer Operation wegen Krebs sind es 351 Impfungen, die durchgeführt werden müssten, um ein Leben zu retten.

In den anderen Altersgruppen (50-69 Jahre und 18-49 Jahre) zeigt sich derselbe Effekt. 196’131 Impfungen sind bei den 18-49-Jährigen beispielsweise nötig, um einen Tod zu verhindern. Wird dieselbe Altersgruppe vor einer Krebs-Operation geimpft, sinkt die Zahl auf 3922 Impfungen.

Fast 60’000 gerettete Leben pro Jahr

Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen deshalb, dass eine Impfung von Patienten, die sich einer geplanten Operation unterziehen, priorisiert werden müsste: Weil sie potenziell deutlich mehr Leben retten könnte, als bei der allgemeinen Bevölkerung, nämlich weltweit 58’687 pro Jahr. Zudem versprechen sie sich eine Senkung der Gesundheitskosten und eine Entlastung für Intensivstationen. Wer eine Covid-Infektion durchgemacht hat, sollte mindestens zwei Monate warten, bis er oder sie sich operieren lässt.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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