Sommertransfers im Check: Mega-Transfers tun sich meist schwer
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Sommertransfers im CheckMega-Transfers tun sich meist schwer

Hulk, Eden Hazard oder Robin van Persie: Für sie wurden im Sommer Millionenbeträge hingeblättert. Doch sind die elf teuersten Sommereinkäufe ihr Geld auch wert? Eine Zwischenbilanz.

von
F. Burkhard

Im Sommer investierten europäische Topklubs Millionen für neue Stars. Am meisten Geld ausgegeben haben Paris Saint-Germain, Chelsea und Zenit St. Petersburg. Sie lockten Stars oder hoffnungsvolle Talente in ihre Reihen. Seither sind mehr als zwei Monate vergangen – Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

Hulk (55 Millionen, Zenit St. Petersburg)

Er war mit 55 Millionen Euro der teuerste aller Sommertransfers: Hulk wechselte im September vom FC Porto zu Zenit St. Petersburg. Seine Ankunft in Russland war nicht nur einfach: Schnell kursierten Gerüchte über Schwierigkeiten mit der Integration ins Team. Hulk drohte sogar bereits mit einem Abgang. Sportlich läuft es für Zenit nicht ideal, vor allem die Auftritte in der Champions League waren durchzogen. Der Stürmer selber erzielte in acht Spielen zwei Tore und lieferte eine Vorlage – das ist nicht herausragend. In der letzten Saison für Porto holte er alleine in der Liga 25 Skorerpunkte (16 Tore, 9 Assists) in 26 Partien.

Prädikat: Ist noch nicht in Russland angekommen. Muss sich steigern.

Thiago Silva (42 Millionen, Paris Saint-Germain)

Für den Innenverteidiger Thiago Silva blätterte Paris Saint-Germain sogar mehr hin als für Starstürmer Zlatan Ibrahimovic: 42 Millionen Euro. Silva stiess aufgrund seines Olympia-einsatzes erst Mitte September zur Mannschaft. Seither ist der 28-Jährige in der Innenverteidigung allerdings gesetzt. Fünf Spiele in der Ligue 1 hat er absolviert, der PSG gewann vier davon und spielte einmal unentschieden. Auch in der Champions League kam Silva dreimal zum Einsatz. Er durfte zwei Siege sowie seinen bislang einzigen Treffer für seinen neuen Klub feiern.

Prädikat: Gute Investition - und beim Vorgängerklub Milan zeigt sich, wie wichtig er war.

Eden Hazard (40 Millionen, Chelsea)

Der Name Eden Hazard war im Sommer in aller Munde. Viele Vereine wollten den beidfüssigen Flügelspieler. Am Ende schnappte Chelsea sich das Talent für 40 Millionen Euro. Der 21-Jährige scheint gut in London angekommen zu sein. In neun Liga Spielen traf er bereits zweimal. Schon beim ersten Auftritt lieferte er zudem eine Torvorlage, sieben weitere liess er folgen. In seinem zweiten Spiel in der Premier League trat Hazard zum Penalty an – und versenkte ihn.

Prädikat: Gute Investition - überzeugt jetzt schon, wird aber noch besser.

Lucas Moura (40 Millionen, Paris Saint-Germain)

Eigentlich dürfte Lucas Moura gar nicht als Sommertransfer gelten. Das brasilianische Talent verweilt bis im Januar noch beim FC São Paulo. Der Wechsel des 20-Jährigen wurde aber im Sommer fixiert und zählt somit zum 130-Millionen-Euro-Paket, das Scheich Nasser Ghanim Al-Khelaifi schnürte, um PSG noch einmal so richtig zu pushen. 40 Millionen kostete der nichtspielende Brasilianer.

Prädikat: Ausnahmefall. Noch nicht beurteilbar.

Axel Witsel (40 Millionen, Zenit St. Petersburg)

40 Millionen Euro hat Zenit St. Petersburg für Axel Witsel Anfang September hingeblättert. Den Beweis, dass er das Geld wert ist, konnte der Belgier bisher noch nicht erbringen. Grund dafür ist eine Oberschenkelverletzung, die er sich gleich bei seinem Russland-Debüt zuzog. Erstmals musste er zwei Wochen pausieren. Seither stand er aber fünf Spiele (drei Liga, zwei Champions League) über die volle Dauer auf dem Platz, wobei immerhin drei Siege eingefahren werden konnten.

Prädikat: Auf gutem Weg. Aber ob die russische Liga für ihn das Richtige ist?

Javi Martínez (40 Millionen, Bayern München)

Noch konnte Javi Martinez, der 40-Millionen-Euro-Neuling beim FC Bayern München, nicht komplett überzeugen. Seit er Anfang September bei den Bayern ankam, absolvierte er sieben Partien – keine davon über die gesamte Spieldauer. Im Weg stehen Martínez im Moment einerseits Konkurrent Luiz Gustavo sowie Aduktorenprobleme. Trainer Jupp Heynckes ist vom Neueinkauf trotzdem überzeugt: «Er kommt langsam in Tritt, steigert sich und wird für uns, wenn die heisse Phase kommt, so spielen, wie ich ihn kenne.»

Prädikat: Potenzial vorhanden. Aber für das Sommer-Chaos und die grosse Aufregung um den Wechsel sein Geld noch nicht wert.

Oscar (32 Millionen, Chelsea)

Der FC Chelsea erleichterte sein Sparbuch im Sommer um satte 32 Millionen Euro, um sich dafür die Dienste des brasilianischen Talents Oscar zu sichern. Der 21-Jährige hat die Eingewöhnungsphase gut überstanden – wenn nicht sogar mehr. Seit dem fünften Spieltag der Premier League steht er immer in der Startaufstellung, übernimmt zumeist die Rolle des «Zehners» und agiert dabei hinter Fernando Torres primär als Spielgestalter und Ballverteiler. Für Aufsehen sorgte Oscar aber vor allem bei seinem ersten Champions-League-Einsatz gegen Juventus Turin, als er beim 2:2 für beide Tore sorgte.

Prädikat: Gute Investition. Trotz seiner Jugend schon wichtig für die Blues.

Robin van Persie (30,7 Millionen, Manchester United)

Manchester United hat Robin van Persie für 30,7 Millionen Euro von Arsenal zu sich geholt, um einen weiteren Torgaranten in ihren Reihen zu haben. Mit sieben Treffern in neun Ligaspielen sowie zwei Treffern in drei Champions-League-Auftritten erfüllt der Holländer alle Erwartungen. Einzig zum Traumduo mit Wayne Rooney hat es noch nicht gereicht. Dies aber vor allem, weil der Engländer zu Beginn der laufenden Saison mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

Prädikat: Topeinkauf - zusammen mit Zlatan Ibrahimovic die beste Investition unter den Grosstransfers des Sommers. Ohne ihn wäre Manchester United wohl in der Liga schon abgeschlagen hinter Chelsea.

Luka Modric (30 Millionen, Real Madrid)

Luka Modric wechselte für 30 Millionen Euro. Der Kroate kam zu Beginn der Saison vor allem zu Teileinsätzen. Tore hat der Mittelfeld-Regisseur den Königlichen bisher keine geliefert, dies ist allerdings auch nicht seine primäre Aufgabe. Immerhin steuerte er beim Sieg gegen Deportiva La Coruña einen Assist bei. José Mourinho scheint gewillt, dem 27-Jährigen die nötige Zeit zur Eingewöhnung zu geben. Zuletzt stand Modric zudem zweimal über die volle Spieldauer auf dem Platz, was zumindest teilweise auf die Verletzung von Sami Khedira zurückzuführen ist, der Real für mindestens eine weitere Woche nicht zur Verfügung steht.

Prädikat: Ähnlich wie bei Martínez. Für so viel Geld muss mehr her. Hat einen schweren Stand hinter Mourinho-Liebling Khedira.

Ezequiel Lavezzi (26 Millionen, Paris Saint-Germain)

Bei Napoli lief es für Ezequiel Lavezzi rund. 26 Millionen Euro hat Paris St-Germain in den Mittelstürmer investiert. Seit er in der französischen Hauptstadt angekommen ist, hat er aber nicht viel auf die Reihe gekriegt. Zwei Einsätze in der Ligue 1, wobei er einmal die rote Karte sah, und 2 Kurzeinsätze in der Champions League. Der Argentinier kommt aufgrund von Verletzungsproblemen nicht in Fahrt. PSG-Trainer Ancelotti scheint bereits die Geduld auszugehen. Es gibt Gerüchte, dass der 27-Jährige im Winter wieder abgeschoben werden soll.

Prädikat: Fehleinkauf.

Zlatan Ibrahimovic (21 Millionen, Paris Saint-Germain)

Zlatan Ibrahimovic war der prominenteste Transfer des Sommers 2012, wenn auch nur Platz 11, was die Höhe der Summe betrifft. 21 Millionen Euro investierte Paris Saint-Germain für den Torgaranten von Milan und der Schwede schlug ein wie eine Bombe. Am vergangenen Wochenende verbuchte Ibrahimovic im neunten Ligaspiel den 10. Treffer. Bereits spricht man davon, dass er die Liga-Rekordmarke von Marseille-Legende Jean-Pierre Papin ins Visier nimmt. Dieser hatte in der Saison 1989/90 30 Treffer erzielt. Übrigens zeigt sich «Ibra» auch in der Champions League treffsicher: In drei Partien schoss er zwei Treffer.

Prädikat: Topeinkauf - neben Robin van Persie die beste Investition des Sommers. Ibrahimovic hat für den PSG mehr als die Hälfte der bisher erzielten Tore in Pflichtspielen erzielt (12 von 22). Ohne ihn würde das Team nicht an der Spitze der Ligue 1 stehen.

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