06.06.2020 10:45

Offener Brief von Experten

Megatsunami bedroht Urlaubsparadies

Ein heftiges Erdbeben und meterhohe Wellen: Das ist das beunruhigende Szenario, was Forscher für eine Küstenregion in Alaska in Aussicht stellen. Betroffen wären rund 5000 Kilometer Küstenlinie.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Der Prinz-William-Sund befindet sich im Golf von Alaska und gilt als ein beliebtes Urlaubsgebiet und Fischereirevier.

Der Prinz-William-Sund befindet sich im Golf von Alaska und gilt als ein beliebtes Urlaubsgebiet und Fischereirevier.

Foto: Getty Images/Flickr Vision
Im Hafen von Whittier legen auch regelmässig Kreuzfahrtschiffe an. Doch das beliebte Urlaubsparadies ist bedroht.

Im Hafen von Whittier legen auch regelmässig Kreuzfahrtschiffe an. Doch das beliebte Urlaubsparadies ist bedroht.

Cruise Port Whittier
Weil ein Berghang oberhalb des Barry-Gleschters (Bild), der zum Prinz-William-Sund gehört, abzurutschen droht, dürfte der Sund in naher Zukunft von einem massiven Tsunami heimgesucht werden. Davor warnen Forscher in einem offenen Brief.

Weil ein Berghang oberhalb des Barry-Gleschters (Bild), der zum Prinz-William-Sund gehört, abzurutschen droht, dürfte der Sund in naher Zukunft von einem massiven Tsunami heimgesucht werden. Davor warnen Forscher in einem offenen Brief.

Universal Images Group via Getty

Darum gehts

  • In einem offenen Brief warnen Forscher davor, ein Megatsunami und ein Erdbeben der Magnitude 7 könnten eine bei Touristen beliebte Region in Alaska treffen.
  • Grund sei ein Hang, der in einer Seitenbucht des Prinz-William-Sunds abzubrechen drohe.
  • Zu der Naturkatastrophe wird es möglicherweise im nächsten Jahr, wahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren kommen, so die Forscher.

Schlechte Nachrichten hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern für eine rund 5000 Kilometer lange Küstenlinie in Alaska, die bei Touristen und Fischern sehr beliebt ist: Der Prinz-William-Sund dürfte in naher Zukunft von einem massiven Tsunami heimgesucht werden, heisst es in einem offenen Brief.

Die Ursache für die bevorstehende Naturkatastrophe findet sich laut den Forschern in einer Seitenbucht der Meeresenge: Dort drohe ein Hang, der infolge des Rückgangs der Gletscherzunge des Barry-Gletschers instabil geworden sei, ins Meer zu stürzen. Die bereits in Bewegung gekommene Gesteinsmasse sei so enorm, dass ihr Abbruch neben Hunderte Meter hohen Wellen auch ein Erdbeben der Magnitude 7 verursachen könnte.

Konkrete Vorhersagen

Am heftigsten dürfte es laut den Wissenschaftlern die Seitenbucht Barry Arm und den Harriman-Fjord treffen.

Auch zum Zeitpunkt der bevorstehenden Katastrophe machen die Forscher Angaben: «Wir gehen davon aus, dass dieser vom Erdrutsch verursachte Tsunami möglicherweise innerhalb der nächsten 12 Monate geschehen wird, wahrscheinlich innerhalb der nächsten 20 Jahre.» Darauf lasse der Wachstum des bereits ersichtlichen Risses schliessen (siehe Bildstrecke). Die Bruchkante ist über zwei Kilometer lang und sogar auf Satellitenbildern deutlich erkennbar.

Megatsunamis in Fjorden keine Seltenheit

Zwar kommen sogenannte Megatsunamis in arktischen Fjordlandschaften immer wieder mal vor, doch meist träfen diese menschenleere Gegenden, heisst es in dem Schreiben der Wissenschaftler.

So löste zuletzt ein Erdrutsch im grönlandischen Karrat-Fjord im Jahr 2017 eine Welle aus, die vier Menschen den Tod brachte und grosse Teile der rund 30 Kilometer entfernten Siedlung Nuugaatsiaq zerstörte, darunter das Kraftwerk. Weil er in der Gefahrenzone für einen weiteren Tsunami liegt, darf der Ort nicht mehr bewohnt werden.

Der grösste Tsunami in der jüngeren Geschichte ereignete sich am 9. Juli 1958. Damals kam es in der Lituya Bay zu einem Erdrutsch, bei dem 90 Millionen Tonnen Gestein und Eis in die Bucht stürzten und die Wellen 550 Meter hoch trieben. Zwei Fischer, die zur Zeit des Tsunamis in der Bucht unterwegs waren, verloren ihr Leben.

Schlimmere Konsequenzen befürchtet

Am Prinz-William-Sund allerdings könnten die Konsequenzen ungleich tragischer sein, warnt die Expertengruppe. Einerseits, weil sich in der touristisch genutzten Region deutlich mehr Menschen – gemäss Statistiken regelmässig bis zu mehrere Tausend – aufhielten. Andererseits, weil der instabile Hang mit rund 500 Millionen Kubikmetern «deutlich grösser ist und höher liegt» als die Gesteinsmassen bei früheren Tsunamis.

Laut den Prognosen der Forscher könnte der Tsunami im mehr als 60 Kilometer entfernten und von Landzungen geschützten Jacht- und Kreuzfahrtschiffhafen Whittier noch rund zehn Meter Höhe erreichen.

Auch Seebeben können Tsunamis auslösen

Nicht nur ins Wasser stürzende Hänge können eine Abfolge besonders langer Wasserwellen auslösen, sondern auch Erdbeben. Dies war auch im Dezember 2004 der Fall, als ein unterseeisches Megathrust-Erdbeben mit einer Magnitude von 9,1 und dem Epizentrum 85 km vor der Nordwestküste der indonesischen Insel Sumatra eine Reihe von verheerenden Tsunamis an den Küsten des Indischen Ozeans auslöste. Insgesamt starben durch das Beben und seine Folgen etwa 230’000 Menschen, davon allein in Indonesien rund 165’000. Über 110’000 Menschen wurden verletzt, über 1,7 Millionen Küstenbewohner rund um den Indischen Ozean wurden obdachlos.

Der Moment, in dem der Tsunami im thailändischen Ao Nang auf Land trifft.

Der Moment, in dem der Tsunami im thailändischen Ao Nang auf Land trifft.

Foto: Wikimedia Commons/PD

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45 Kommentare
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Niko

06.06.2020, 14:43

In zwölf Monaten, oder vielleicht erst in 20 Jahren... lachhafte Expertise.

Wrangler

06.06.2020, 13:59

Forscher fanden heraus, kamen dann wieder rein um ein weiteres Bier zu trinken. Zum Wohlsein.

Alfabia

06.06.2020, 13:57

Ja genau, würde, könnte, wolle, sollte, vielleicht, doch nicht, oder doch. Schon unglaublich, diese Vermutungen von Spezialisten.