Gesellschaftlicher Druck: Mehr Abtreibungen bei Downsyndrom
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Gesellschaftlicher DruckMehr Abtreibungen bei Downsyndrom

Heute werden fast alle Kinder mit Diagnose Downsyndrom abgetrieben. Folge: Eltern, die behinderte Babys zur Welt bringen, müssen sich für ihr «unnötiges» Kind rechtfertigen.

von
Andrea Schmits
Dominique und Remo (Mitte) in der SF-Serie «Üsi Badi». (SF)

Dominique und Remo (Mitte) in der SF-Serie «Üsi Badi». (SF)

Die meisten Zuschauer haben die 18-jährige Dominique und den 43-jährigen Remo aus der SF-Behinderten-Serie «Üsi Badi» schnell ins Herz geschlossen. Menschen wie sie, die das Downsyndrom haben, werden aber immer seltener. Nicht etwa, weil es die Behinderung nicht mehr gibt, sondern weil sich die meisten Schwangeren nach der Diagnose für eine Abtreibung entscheiden. Je nach Statistik variiert die Zahl der Abtreibungen zwischen 80 und 92 Prozent. «Man sieht deutlich, dass heute in den Behindertenheimen für Erwachsene prozen­tual mehr Menschen mit dem Downsyndrom leben, als dies in heilpädagogischen Schulen der Fall ist», so Roman Manser von der Hochschule für Heilpädagogik in Zürich. Das sei bedauerlich: «Erst die Vielfalt menschlicher Existenzen macht unsere Spezies doch so interessant.»

Laut Manser ist in letzter Zeit zudem der Druck auf werdende Mütter, entsprechende Voruntersuchungen machen zu lassen, massiv gestiegen: «Eltern, die sich für ein behindertes Kind entscheiden, müssen sich oft anhören, ihr Kind verursache der Gesellschaft unnötige Kosten.»

Dass solche Vorwürfe gang und gäbe sind, bestätigt auch eine betroffene Mutter: «Ich finde das grässlich. Das muss doch jede Mutter für sich entscheiden. Die Gesellschaft geht das überhaupt nichts an.»

Risiko stark altersabhängig

Bei Menschen mit dem Downsyndrom liegt das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vor. Eine weitere übliche Bezeichnung lautet daher Trisomie 21. Menschen mit dem Downsyndrom erkennt man unter anderem an ihrer für sie typischen Kopfform. Sie sind anfälliger für viele Krankheiten und auch ihre geistigen Fähigkeiten sind beeinträchtigt. Das Risiko, ein Kind mit Downsyndrom zu kriegen, liegt bei 20-jährigen Frauen bei 1:1500, bei 35-jährigen bei 1:380.

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