Aktualisiert 01.06.2010 17:25

Schweizer Konzern involviertMehr als 100 000 Personen an Giftmüll erkrankt

Der Giftmüll-Skandal, der vor niederländischem Gericht verhandelt wird, hatte für Aufruhr gesorgt. Die tödliche Ware wurde in Afrika auf Halden gekippt.

Ein Mitarbeiter der Behörden der Elfenbeinküste zeigt eine der wilden Deponien des griechischen Giftmülls in Abidjan (19. September 2006).

Ein Mitarbeiter der Behörden der Elfenbeinküste zeigt eine der wilden Deponien des griechischen Giftmülls in Abidjan (19. September 2006).

An vorderster Front in diese traurige Geschichte involviert ist der in der Schweiz ansässige Konzern Trafigura. Die tödlichen Giftmüllimporte in die Elfenbeinküste vor knapp vier Jahren werden seit Dienstag vor einem niederländischen Strafgericht verhandelt. Weder der Reeder des Giftschiffes noch der Erdölkonzern Trafigura noch die Amsterdamer Hafenbehörde APS, die drei Hauptangeklagten in dem Verfahren, erschienen zum Prozessauftakt in Amsterdam.

Trafigura droht eine Geldstrafe von 1,34 Millionen Euro (1,9 Mio. Franken), weil es das Schiff «Probo Koala» für den Giftmülltransport gechartert hatte. Nach Einschätzung der UNO sind mindestens 15 Todesfälle und mehr als 100 000 Erkrankungen in der ivorischen Bevölkerung auf die Müllimporte zurückzuführen, die im August 2006 über Amsterdam gelaufen waren.

Auf offene Halde gekippt

In der Elfenbeinküste wurden in der Stadt Abidjan damals 500 Tonnen Giftmüll auf offenen Halden entsorgt. Die in der Schweiz ansässige Trafigura und einer ihrer Beschäftigten, der den Transport organisiert haben soll, hätten die von dem Müll ausgehende Gefahr verheimlicht und Schriftstücke gefälscht, wirft die Anklage dem Konzern vor, der mit Erdölerzeugnissen handelt. Dem Mitarbeiter und dem ukrainischen Kapitän der «Probo Koala» drohen bis zu 21 Jahre Gefängnis und eine Strafe von 134 000 Euro.

Vor Gericht erschienen am Dienstag nur der frühere Leiter der Amsterdamer Hafenbehörde, Evert Uittenbosch, sowie ein Vertreter der Stadt, weil der Hafen von der Stadt verwaltet wird. Ihnen wird vorgeworfen, das Schiff nach Afrika weiterfahren gelassen zu haben, obwohl die Giftladung bekannt gewesen sei. Das Verfahren soll am 2. Juli zu Ende gehen.

Mit den Anwälten von rund 31 000 Klägern hatte sich Trafigura im September aussergerichtlich geeinigt; der Konzern erklärte sich zu Zahlungen in Gesamthöhe von 33 Millionen Euro bereit. Mit der Regierung der Elfenbeinküste hatte er bereits im Februar 2007 eine aussergerichtliche Einigung besiegelt und die Zahlung von umgerechnet 152 Millionen Euro zugesagt. (sda)

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