Russland - Mehr als 1000 Demonstranten bei Nawalny-Protesten festgenommen
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RusslandMehr als 1000 Demonstranten bei Nawalny-Protesten festgenommen

In ganz Russland sind am Mittwoch Menschen auf die Strasse gegangen, um für den russischen Oppositionellen Alexei Nawalny zu protestieren. Dieser bangt im Gefängnis um sein Leben.

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In ganz Russland sind am Mittwoch Menschen auf die Strasse gegangen, um für Alexei Nawalny zu protestieren.

In ganz Russland sind am Mittwoch Menschen auf die Strasse gegangen, um für Alexei Nawalny zu protestieren.

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Sie forderten eine bessere medizinische Versorgung für den Oppositionellen.

Sie forderten eine bessere medizinische Versorgung für den Oppositionellen.

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Die Polizei verhaftete über 1000 Personen.

Die Polizei verhaftete über 1000 Personen.

AFP

Darum gehts

  • In 82 Städten in ganz Russland sind am Mittwoch Menschen für Alexei Nawalny auf die Strasse gegangen.

  • Verschiedentlich waren «Russland ohne Putin!»-Rufe zu hören.

  • Noch immer wartet Alexei Nawalny darauf, auf eine Intensivstation verlegt zu werden.

Tausende Menschen sind am Mittwoch in der russischen Hauptstadt Moskau für den inhaftierten Oppositionspolitiker Alexei Nawalny auf die Strasse gegangen. Auch in vielen anderen Teilen des Landes kam es zu Demonstrationen. Mehr als 1000 Menschen seien in Zusammenhang mit den Protesten in 82 Städten festgenommen worden, berichtete die Menschenrechtsgruppe OWD-Info. Viele Unterstützer des Kremlkritikers wurden bereits vor Beginn der Kundgebungen festgesetzt, unter ihnen zwei seiner engsten Vertrauten.

Nawalnys Team hatte zu den Demonstrationen aufgerufen, weil sich der Gesundheitszustand des Oppositionellen nach Angaben seiner Ärzte dramatisch verschlechtert hatte. Der Direktor der Stiftung zur Bekämpfung von Korruption, Wladimir Aschurkow, sagte der Nachrichtenagentur AP, Nawalnys Zustand sei kritisch, «und deshalb haben wir den Tag der Proteste vorverlegt.» Seinen Ärzten zufolge müsste er auf Grundlage seiner Testergebnisse auf eine Intensivstation verlegt werden.

Russland will nicht nachgeben

Die Demonstrationen in Dutzenden Städten begannen jeweils um 19.00 Uhr Ortszeit, zunächst in der Stadt Wladiwostok, und gingen dann durch die Zeitzonen des grossen Landes westwärts weiter. Sie fielen durch die Vorverlegung mit der Rede von Präsident Wladimir Putin zur Lage der Nation am Mittwoch zusammen.

Darin erklärte Putin, Russland werde niemals Versuchen ausländischer Regierungen nachgeben, ihm deren Willen aufzuzwingen. Putin, der Nawalny öffentlich niemals namentlich erwähnt, sagte nicht, worauf sich diese Aussage bezog. Westliche Regierungen haben den Umgang Moskaus mit Nawalny scharf kritisiert und dessen Freilassung gefordert.

«Russland ohne Putin!»

Die Behörden hatten erklärt, die Kundgebungen seien nicht genehmigt, und vor einer Teilnahme gewarnt. Die St. Petersburger Staatsuniversität für Luftfahrttechnik wies darauf hin, dass die Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration die Exmatrikulation zur Folge haben werde. In Wladiwostok riefen rund 1000 Demonstranten «Russland ohne Putin!».

In Moskau wurden die Nawalny-Vertrauten Ljubow Sobol und Kira Jarmysch am Morgen festgenommen. Jarmysch sei beschuldigt worden, illegale Versammlungen organisiert zu haben, sagte deren Anwältin Veronika Poljakowa.

Nawalnys Leben in Gefahr

Auch aus anderen Regionen Russlands wurden Polizeimassnahmen gegen Nawalnys Unterstützer und Festnahmen von Aktivisten gemeldet. OWD zufolge wurden in Jekaterinburg Büros von Nawalnys Organisation durchsucht und in Chaborowsk ein Nawalny nahestehender Journalist festgenommen. Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow sprach von einer «traditionellen Vor-Kundgebungs-Hysterie». «Wie üblich denken sie, wenn sie «die Anführer» isolieren, werde es keinen Protest geben», twitterte Wolkow. «Das ist natürlich nicht der Fall.»

Nawalnys Ärztin Anastasia Wassiljewa twitterte am Dienstag, Nawalnys Gesundheit und Leben seien eindeutig in Gefahr. Weitere seiner Ärzte betätigten das.

Nawalny will angemessene medizinische Behandlung

Nawalny ist am 31. März in den Hungerstreik getreten. Er wirft den Gefängnisbehörden vor, seine Ärzte nicht zu ihm zu lassen und seine Rückenschmerzen und Taubheit in den Beinen nicht angemessen zu behandeln. Er war im Februar wegen Verstosses gegen Bewährungsauflagen einer Verurteilung von 2014 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, ein Urteil, das der Europäische Menschenrechtsgerichtshof als willkürlich und offensichtlich unangemessen bewertet hatte.

Nawalny war im Januar bei seiner Rückkehr aus Deutschland verhaftet worden, wo er nach einem Giftattentat fünf Monate lang behandelt worden war. Für den Anschlag macht er den Kreml verantwortlich, der das zurückweist. Die Verhaftung löste die grössten Protesten in Russland seit Jahren aus.

(dpa/her)

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