Pulverfass Iran: Mehr als 1000 Demonstranten verhaftet
Aktualisiert

Pulverfass IranMehr als 1000 Demonstranten verhaftet

Die iranische Polizei hat zugegeben, bei den Protesten der vergangenen Wochen massiv mehr Menschen als bisher berichtet festgenommen zu haben. Sie spircht von 1000 Verhaftungen, Menschenrechtler dagegen von über 2000.

Nach neuesten Angaben der iranischen Polizei wurden binnen zwei Wochen mehr als 1000 Menschen inhaftiert. Viele von ihnen seien aber inzwischen wieder frei, sagte Polizeichef Ismael Ahmadi-Mogadam am Mittwoch der Nachrichtenagentur ISNA.

Den Inhaftierten werde nun der Prozess gemacht, viele von ihnen sollen vor die berüchtigten Revolutionsgerichte gestellt werden, wie es hiess. Diese Gerichte sind für schwere Vergehen gegen die nationale Sicherheit zuständig und fällen häufig drakonische Urteile.

Im Kontrast zur offiziellen Zahl der Verhafteten stehen Aussagen der Internationale Föderation der Menschenrechtsligen (FIDH) vom Sonntag, wonach im Iran derzeit mehr als 2000 Menschen in Haft sein sollen. FIDH-Vizepräsident Karim Lahidschi, der zugleich Präsident der iranischen Liga zur Verteidigung der Menschenrechte ist, berief sich dabei auf «unabhängige Informationen» vor allem aus den betroffenen Familien.

Offiziell 20 Demonstranten getötet

Nach Angaben des Polizeichefs wurden 20 Demonstranten getötet, frühere Berichte über Tote unter den Sicherheitskräften wies er zurück. Allerdings seien 500 Polizisten verletzt worden.

Erneut widersprach Ahmadi-Mogadam vehement Angaben, der Tod von Neda Agha-Soltan habe etwas mit den Protesten zu tun gehabt. Sie war am 20. Juni am Rande einer Kundgebung gegen den erzkonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad erschossen worden.

Ein mit dem Handy gefilmtes Video, das den Tod der 27 Jahre alten Demonstrantin zeigt, war um die Welt gegangen und hatte sie zur Ikone des Widerstands im Iran gemacht. Der Polizeichef sagte, der Mord an der jungen Frau sei geplant gewesen, um das Ansehen des Irans im Ausland zu beflecken.

(sda)

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