Vor Waffenruhe: Mehr als 140 Tote bei Luftschlägen im Jemen
Aktualisiert

Vor WaffenruheMehr als 140 Tote bei Luftschlägen im Jemen

Das saudisch geführte Militärbündnis hat im Jemen eine fünftägige Feuerpause angekündigt. Davor flog das Bündnis aber schwere Luftangriffe, bei denen über 140 Menschen starben.

von
ofi
Bei Luftangriffen im Jemen sterben über 140 Menschen: Zerstörte Häuser in Sanaa. (Bild vom 20. Juli 2015)

Bei Luftangriffen im Jemen sterben über 140 Menschen: Zerstörte Häuser in Sanaa. (Bild vom 20. Juli 2015)

Das von Saudiarabien geführte Militärbündnis hat im Jemen eine Feuerpause angekündigt. Vor deren Beginn flog das Bündnis allerdings die bislang tödlichsten Luftangriffe auf den Jemen. Mindestens 141 Menschen wurden bei den etwa elf Bombardements am Samstag auf die Hafenstadt Mocha im Süden Jemens getötet, wie lokale medizinische Helfer und Rettungskräfte am Sonntag berichteten. Zudem gebe es weitere 200 Verletzte.

Ausser einem Elektrizitätswerk wurden auch Wohngegenden getroffen. Deshalb seien unter den Opfern vor allem Zivilisten – unter ihnen Frauen und Kinder, sagten die Helfer. Wegen des kritischen Zustandes vieler Verletzter werde mit einer steigenden Zahl von Todesopfern gerechnet. Am Sonntag schlugen auch im Grossraum Sanaa erneut Bomben des Militärbündnisses ein. Ziel waren Anwohnern zufolge Huthi-Stützpunkte bei und in der jemenitischen Hauptstadt.

Einige Beobachter werten die vom saudischen Bündnis am Samstag einseitig angekündigte humanitäre Feuerpause als Versuch, von dem verheerenden Ausmass des Angriffs auf Mocha abzulenken.

Fünf Tage Feuerpause

Die Koalition will am Sonntag eine Minute vor Mitternacht (22.59 Uhr MESZ) die Bombardierung des Jemens für fünf Tage einstellen, um humanitäre Hilfe in dem zerrütteten Land zuzulassen. Jemens geflüchteter Präsident soll um die Waffenruhe gebeten haben.

Die schiitischen Huthi-Rebellen lehnen die Waffenruhe allerdings ab, wie der schiitische Rebellenchef Abdel Malek al-Huthi am Sonntag über den Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte. Die Waffenruhe sei vom «saudiarabischen Aggressor» verlangt worden, der eine Pause nur wolle, um noch mehr Kämpfer in der südlichen Stadt Aden mobilisieren zu können.

Erfolg der Waffenruhe unwahrscheinlich

Das Militärbündnis hatte zuvor betont, einseitige Angriffe von Seiten der Huthis während dieser Zeit würden «beantwortet». Erst vor zwei Wochen scheiterte eine von den Vereinten Nationen vermittelte Feuerpause – Bombardements und Gefechte gingen fast unvermindert weiter. Die Jemen-Expertin Samaa Al-Hamdani sagte dem Nachrichtensender al-Jazeera , ein Erfolg der Waffenruhe sei nach den Erfahrungen der Vergangenheit ihrer Meinung nach unwahrscheinlich.

Zuletzt hatten die Rebellen im Süden des Landes mit dem Verlust der zweitgrössten Stadt Aden eine schwere Niederlage einstecken müssen. Trotzdem kontrollieren sie noch immer weiter Teile des Landes. (ofi/sda)

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