Skandal in Italien: Mehr als 150 Frauen sind an Alpini-Treffen sexuell belästigt worden
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Skandal in ItalienMehr als 150 Frauen sind an Alpini-Treffen sexuell belästigt worden

Bei den Alpini handelt es sich um eine Infanterieeinheit des italienischen Heeres. Beim jährlichen Treffen der Gebirgsjägertruppe kam es zu Dutzenden Fällen von sexuellen Belästigungen.

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Rund 75’000 Alpini haben an einem Treffen  teilgenommen. (Symbolbild)

Rund 75’000 Alpini haben an einem Treffen  teilgenommen. (Symbolbild)

IMAGO
Der Event in Rimini lockte auch Hunderttausende Touristinnen und Touristen an

Der Event in Rimini lockte auch Hunderttausende Touristinnen und Touristen an

IMAGO/TheNews2
Rund um das  Alpini-Treffen sind mindestens 150 Frauen sexuell belästigt worden.

Rund um das  Alpini-Treffen sind mindestens 150 Frauen sexuell belästigt worden.

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Darum gehts

Das 93. Treffen der Alpini, einer Infanterieeinheit des Heeres, hat in Rimini für einen Skandal gesorgt. Zwar brachte der Event, an dem rund 75’000 Alpini teilnahmen, der italienischen Küstenstadt rund 400’000 Touristenankünfte und Einnahmen von rund 150 Millionen Euro ein, jedoch sollen mehr als 150 Frauen sexuell belästigt worden sein, wie der «Corriere di Bologna» berichtet. 

Die Betroffenen wurden demnach sowohl verbal als auch körperlich angegangen. Auf der Instagram- und Facebook-Seite von «Non una di Meno» (Nicht eine weniger) ist eine Umfrage gestartet worden, mit der das ganze Ausmass der sexuellen Belästigungen dokumentieren werden soll. Innerhalb von vier Tagen gaben rund 150 Frauen an, verbal oder körperlich belästigt worden zu sein. Die Belästigungen ereigneten sich sowohl während der Parade als auch auf den Strassen, in Bars und in Hotels.  

Erschütternde Berichte von Betroffenen

Auch zu Anzeigen ist es bereits gekommen. Am Nachmittag des 10. Mai reichte eine 26-jährige Frau bei der Polizei von Rimini eine Anzeige wegen Belästigung während des Treffens ein. Zusammen mit einer Freundin, die die Szene teilweise miterlebt hatte, und ihrem Anwalt teilte sie den Behörden mit, dass sie am Samstag, dem 7. Mai, von drei Personen in der Menge umzingelt und körperlich angegangen worden sei. Laut der Anzeige sollen die drei sie am Arm gepackt, gerissen und mit Sätzen mit explizitem Sexualbezug beleidigt haben. Die Frau habe sich wehren und fliehen können. 

Weitere Frauen, die Opfer der Belästigungen wurden, berichten gegenüber dem «Corriere», was ihnen widerfahren ist: «Letzte Nacht war ich mit meinem Velo unterwegs. Dann hielten sie mich an und versuchten, mich in einen Schuppen zu drängen. Ich habe daraufhin in die Pedale getreten und konnte ihnen so entkommen», berichtet eine Betroffene. Eine weitere Frau sagt: «Letzte Nacht befand ich mich in einer Unterführung und da tauchte diese Gruppe betrunkener Alpini auf. Ich hatte Angst». Dies sind nur zwei von Dutzenden Beispielen, die in den sozialen Netzwerken veröffentlicht worden sind.

Alpini geniessen Heldenstatus

Verteidigungsminister kündigt Untersuchung an

In Italien sorgen die Berichte für Empörung. Es wird erwartet, dass weitere Frauen zur Polizei gehen. «Die Vorfälle, von denen einige Frauen erzählen, sind sehr schlimm», sagte Verteidigungsminister Lorenzo Guerini. Diese müssten nun von den Behörden überprüft werden – «aber sie dürfen und werden nicht unterschätzt werden». Der Minister warnte davor, alle Soldaten über einen Kamm zu scheren. «Aber zugleich darf es da keine Toleranz geben: Belästigungen und Gewalt dürfen nie und in keiner Weise Rechtfertigungen finden und müssen ohne Zögern verurteilt werden.»

Der Alpini-Verband ANA distanzierte sich von den berichteten Vorfällen, «die sicherlich nicht mit den Traditionen und Werten vereinbar sind, für die wir schon immer stehen».

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

My 20 Minuten

(DPA/job)

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