Abstimmungen: Mehr als 2 Drittel der Männer wollen Frauen bis 65 arbeiten lassen

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AbstimmungenMehr als 2 Drittel der Männer wollen Frauen bis 65 arbeiten lassen

Die AHV-Reform scheint nach vielen gescheiterten Versuchen auf gutem Weg. 71 Prozent der Männer wollen, dass die Frauen länger arbeiten. Politologe Daniel Kübler schätzt ein.

von
Daniel Graf
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Susanne Keller
AHV-Reformen hatten es laut Politologe Daniel Kübler jüngst oft schwer. 

AHV-Reformen hatten es laut Politologe Daniel Kübler jüngst oft schwer. 

20min/Matthias Spicher
Die ersten Umfragewerte zeigen jetzt aber, dass die AHV-Reform, über die die Schweiz am 25. September abstimmt, gute Chancen hat. 

Die ersten Umfragewerte zeigen jetzt aber, dass die AHV-Reform, über die die Schweiz am 25. September abstimmt, gute Chancen hat. 

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Die Schweiz stimmt am 25. September über die AHV-Reform ab. Nötig für die Reform ist ein Ja zur Erhöhung der Mehrwertsteuer und zur Erhöhung des Rentenalters für Frauen. 

  • In der ersten Welle der Abstimmungsbefragung von 20 Minuten und Tamedia zeigt sich: Vor allem die Männer wollen, dass die Frauen länger arbeiten. 

  • Politologe Daniel Kübler ist überrascht über die positiven Vorzeichen: «Die Vorlage ist für Alain Berset extrem wichtig und ein Ja wäre ein grosser Erfolg für ihn.»

  • Ein Erfolg für die Linke zeichnet sich beim Bundesgesetz über die Verrechnungssteuer ab. 

Am 25. September stimmt die Schweiz neben der Massentierhaltungsinitiative auch über die zweiteilige AHV-Reform ab. Beim ersten Teil, der Zusatzfinanzierung, geht es um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Im zweiten Teil um eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen. Die zweiteilige Abstimmung wird nötig, weil linke Kreise und Frauenverbände das Referendum gegen die Erhöhung des Rentenalters ergriffen hatten. Beide Teile müssen angenommen werden, damit die AHV-Reform umgesetzt werden kann.

Männer wollen Rentenalter für Frauen erhöhen

Bei der Zusatzfinanzierung zeichnet sich in der ersten Welle der Abstimmungsbefragung von 20 Minuten und Tamedia ein Ja ab. 58 Prozent sprachen sich Anfang August dafür aus, 38 Prozent dagegen. Für die Erhöhung des Rentenalters sprechen sich aktuell 53 Prozent der Wählerinnen und Wähler aus, 44 Prozent sind dagegen.

Die Vorlage wird von den Frauen und den Wählerinnen und Wählern von Grünen und SP sehr deutlich abgelehnt. In der bürgerlichen Wählerschaft ist die Unterstützung bei der SVP-Basis in der ersten Umfragewelle am tiefsten. Das Ausmass des Geschlechterunterschieds ist bemerkenswert: Nur 36 Prozent der Frauen wollen der Erhöhung des Rentenalters zustimmen, während der Ja-Anteil bei den Männern mit 71 Prozent um 35 Prozentpunkte höher liegt, wie die folgende Grafik zeigt:

Laut Umfrage ist denn auch das Gleichstellungsargument am wichtigsten. Für die Mehrheit jener, die ein Nein auf den Stimmzettel schreiben wollen, würde mit der Reform auf Kosten der Frauen gespart, obwohl diese bereits heute im Schnitt einen Drittel weniger Rente erhielten. Umgekehrt ist auch für eine Mehrheit des Ja-Lagers die Geschlechterfrage zentral: Diese Stimmberechtigten sind der Meinung, dass es angesichts der fortschreitenden Gleichstellung gerechtfertigt sei, dass Männer und Frauen gleich lange arbeiteten. 

«AHV-Reform ist für Berset enorm wichtig»

Für Politologe Daniel Kübler von der Universität Zürich sind die Ergebnisse zu den AHV-Vorlagen einigermassen überraschend: «Es sieht derzeit so aus, als würde die Reform tatsächlich gelingen. Das wäre bemerkenswert, weil es Reformen für die Altersvorsorge in der Vergangenheit stets extrem schwer hatten. Die Vorlage ist für Alain Berset extrem wichtig und ein Ja wäre ein grosser Erfolg für ihn.»

Sollen Männer und Frauen gleich lange arbeiten müssen?

Dass die Wählerinnen die AHV-Reform derzeit klar abschmettern, während 71 Prozent der Männer wollen, dass Frauen bis 65 arbeiten, ist für Kübler bemerkenswert. Gerade wegen der starken Polarisierung zwischen den Geschlechtern sagt er: «Insgesamt ist der Mist mit 53 Prozent Ja- zu 44 Prozent Nein-Stimmen hier noch nicht geführt, das wird noch heiss. Wenn die Bevölkerung entscheidet, dass Frauen künftig bis 65 arbeiten sollen, wäre das für mich fast schon eine kleine Sensation.»

«Erste Ergebnisse sind ein Achtungserfolg für die Linken»

Auch die Ergebnisse der Vorlage zur Abschaffung der Verrechnungssteuer kommen für den Politologen überraschend. Diese hat nach derzeitigem Stand wenig Chancen, 30 Prozent sagen Ja, 51 Prozent Nein. «Es geht hier um eine bürgerliche Vorlage zu Steuererleichterungen. Dass es den Gegnern aus dem linken Lager zu gelingen scheint, die Bevölkerung in dieser relativ komplizierten Sache davon zu überzeugen, dass es diese Steuern weiterhin braucht, ist beachtlich.» Die Resultate der ersten Welle wertet Kübler als Achtungserfolg für die Linken. 

Die Umfrage

16’341 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 3. bis 4. August an der ersten Welle der Umfrage von 20 Minuten und Tamedia im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmungen vom 25. September 2022 teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,3 Prozentpunkten.

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