70 Jahre D-Day: Mehr als 4000 tote Alliierte an einem Tag
Aktualisiert

70 Jahre D-DayMehr als 4000 tote Alliierte an einem Tag

Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten an den Stränden der Normandie. Die blutige Invasion läutete das Ende des Zweiten Weltkriegs ein.

von
fee

«Als der Tag anbrach, sah man vor lauter Schiffen das Meer nicht mehr, und der Himmel war bedeckt mit Flugzeugen», erinnert sich der kanadische Veteran Roméo Boulanger an den D-Day.

156'000 Soldaten landeten am 6. Juni 1944 in der Normandie, 7000 Schiffe und 11'500 Flugzeuge waren an der Operation Neptun beteiligt. Am kommenden Freitag wird mit einem grossen Festakt und zahlreichen Staatsgästen des 70. Jahrestags der Alliierten-Landung gedacht.

«Ich hatte furchtbare Angst, Todesangst, wie alle anderen», sagt der britische Veteran Ken Scott. «Aber wir konnten uns nirgendwo verstecken, wir mussten weiter vorwärts.» An das Grauen an diesem Tag kann sich der 97-Jährige ganz genau erinnern: «Um mich herum sind die Soldaten gefallen wie Fliegen, sie brüllten, schrien, riefen nach ihrer Mutter.»

Fürchterliches Chaos

Auch der US-Veteran William Gast wird den D-Day nie vergessen. Er habe «absolut nichts» sehen können, als er in einem Sherman-Panzer ein Landungsboot verliess und an den Omaha-Strand fuhr.

«Wir hörten die Maschinengewehrkugeln den Panzer treffen, als würde jemand Pflastersteine auf Autos werfen.» Womöglich habe er in dem Chaos eigene Kameraden überfahren — ein Gedanke, der dem 89-Jährigen seit 70 Jahren keine Ruhe lässt.

Schon 1943 hatten die Lenker der USA, der Sowjetunion und Grossbritanniens – Franklin D. Roosevelt, Joseph Stalin und Winston Churchill – eine Landung in Nordfrankreich beschlossen, um eine neue Front im Kampf gegen Hitler-Deutschland zu eröffnen.

Monatelang wurde die vom US-General Dwight D. Eisenhower befehligte gigantische Militäroperation Overlord vorbereitet, deren erster Teil die Operation Neptun war. In den früheren Morgenstunden des 5. Juni gab Eisenhower dann mit seinem berühmten «O. k., let's go» grünes Licht für den Start der Operation.

«Der längste Tag»

Von der Luft aus attackierten die Alliierten deutsche Stellungen mit tausenden Tonnen Bomben. Mehr als 130'000 Soldaten aus den USA, Kanada und Grossbritannien landeten an fünf Stränden, die sie Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword nannten, 23'000 weitere Soldaten sprangen mit Fallschirmen über der Region ab.

Die Gegenwehr der Deutschen fiel heftig aus: Am Ende des «längsten Tags» – ein Ausdruck, der auf den deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel zurückgeht – waren mehr als 4000 alliierte Soldaten tot. Doch die Operation gelang und sollte massgeblich zur Niederlage von Nazi-Deutschland beitragen.

Bis Ende Juli landeten 1,5 Millionen Soldaten in der Normandie. Mehr als 100'000 Menschen wurden in der wochenlangen Schlacht um die Normandie getötet, Soldaten aus beiden Lagern sowie Zivilisten.

Gefangennahme als Rettung

Der damals 19-jährige deutsche Soldat Johannes Börner überlebte die Kämpfe, er wurde am 21. August 1944 von den Kanadiern gefangen genommen. Bis heute trinkt er jedes Jahr am 21. August ein Glas Whisky auf seine «Rettung». Börner liess sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Normandie nieder und lebt bis heute in der Küstengemeinde Ouistreham.

Dort werden am Freitag 19 Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, um des 70. Jahrestags des D-Days zu gedenken.

Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten laufen auf Hochtouren. (Video: Reuters)

Erwartet werden neben US-Präsident Barack Obama, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und Königin Elizabeth II. auch der russische Staatschef Wladimir Putin — und der neugewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko. Das feierliche Zusammenkommen der Politiker bekommt angesichts der Ukraine-Krise eine ganz besondere Brisanz.

(fee/sda)

Deine Meinung