06.04.2015 19:32

Richtig büffeln

Mehr als 70 Minuten lernen ist zu viel

Zu lange an den Hausaufgaben zu sitzen ist laut einer Studie nicht gut. Man solle lieber kurz, aber effizient lernen. Experten warnen gar vor Schulmüdigkeit.

von
ann
Zu langes Lernen kann einen negativen Effekt haben. Eine Studie plädiert für maximal 70 Minuten bei jugendlichen Schülern.

Zu langes Lernen kann einen negativen Effekt haben. Eine Studie plädiert für maximal 70 Minuten bei jugendlichen Schülern.

13- bis 14-jährige Schüler sollten 60 bis maximal 70 Minuten täglich mit Hausaufgaben und Lernen verbringen. Mehr Zeit zu investieren könnte sogar kontraproduktiv sein. Das hat eine neue Studie der Universidad Oviedo in Spanien ergeben, bei der über 7000 Schüler befragt und getestet wurden.

Dies sei für die Lernenden aber keine Entschuldigung zum Nichtstun, warnen die Studienautoren. Denn die Studienergebnisse zeigen auch, dass tägliche Hausaufgabenblöcke besonders effizient sind. Schlecht seien ellenlange Lernphasen und mangelndes Engagement. «Wichtiger als das Wieviel ist das Wie», sagt Studienautor José Muñiz.

Wer selbständig arbeitet, hat mehr Erfolg

Von den untersuchten Schülern hatten gemäss Studie jene am meisten Erfolg, die jeden Tag rund eine Stunde für die Schule aufwendeten. Sie erhielten in einem Test im Schnitt 50 Punkte mehr als vor dem regelmässigen Lernen. Jene Schüler, die sich das Wissen ganz alleine erarbeitet hatten, erzielten dabei noch bessere Werte: Sie hatten im Schnitt 54 Punkte mehr als zuvor.

Dass Schüler, die selbst lernen, grössere Erfolge erzielen, sei bekannt, sagt Franziska Peterhans vom Dachverband Lehrer Schweiz. «Darum werden Schüler in der Schweiz zur Selbständigkeit angeleitet.» Spätestens in der Oberstufe seien die Hausaufgaben Sache der Schüler. Eltern sollten nur helfen, wenn sie gefragt würden. Aber schon in der Primarschule gelte: «Haben die Eltern den Bleistift selbst in der Hand, ist etwas falsch gelaufen.»

«Stundenlang Hausaufgaben lösen macht schulmüde»

Zur Länge der Hausaufgabenzeit sagt Peterhans: «Wer lange lernt, lernt noch lange nicht mehr.» Man wisse, dass es drei Erfolgsfaktoren gebe: Der Schüler müsse sich Mühe geben, Ausdauer haben und regelmässig lernen.

In der Schweiz gelte in den meisten Kantonen die Regel von zehn Minuten Hausaufgaben pro Schuljahr, sagt auch Lerncoach Fabian Grolimund. Maximal 70 Minuten für Schüler im 7. Schuljahr seien darum angemessen. Dies müsse aber auch eingehalten werden. «Viele Eltern meinen, die Hausaufgaben müssten vollständig gemacht sein, egal wie lange man dafür braucht.» Das stimme nicht und könne kontraproduktiv sein. Grolimund: «Wer jeden Tag stundenlang an den Hausaufgaben sitzt, wird schulmüde.»

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