Naturkatastrophe: Mehr als 80'000 Kanadier fliehen vor Waldbränden

Aktualisiert

NaturkatastropheMehr als 80'000 Kanadier fliehen vor Waldbränden

Ein verheerendes Feuer ist in der Provinz Alberta ausser Kontrolle geraten und zwingt eine ganze Stadt zur Flucht.

von
jros

Ein derzeit in der kanadischen Provinz Alberta wütender Waldbrand zwingt die lokalen Behörden zur grössten Evakuierungsaktion in ihrer Geschichte.

Mehr als 80 000 Bewohner von Fort McMurray wurden am Dienstag aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Nach Behördenangaben frassen sich bereits Flammen in ganze Stadtviertel. Dicke Rauchsäulen standen über der Stadt, einige Häuser wurden bereits Opfer der Flammen. Mehrere Tankstellen explodierten.Berichte über Verletzte lägen aber nicht vor, sagte ein Vertreter des Notfalldienstes.

Fluchtwege abgeschnitten

Angefacht wurden die Waldbrände von unberechenbar starken Winden und hohen Temperaturen. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich die Gefahr den Angaben zufolge verschärft, viele Anwohner blieb daher kaum Zeit zur Flucht. Der Highway 63 ist der einzige Weg, der aus der Stadt herausführt.

Die Regierungschefin von Alberta, Rachel Notley, sprach von der grössten Räumungsaktion, die es je in einer kanadischen Provinz gegeben habe. Behördenvertreter täten alles Menschenmögliche, um die Sicherheit aller Bürger zu gewährleisten. Erwogen werde auch die Option von Lufttransporten kranker Anwohner, sagte Notley.

Chaotische Fluchtszenen

Die Behörden forderten die Menschen auf, die rund 20 Kilometer von der Stadt entfernten Schutzeinrichtungen aufzusuchen. Auf den Strassen Richtung Norden bildeten sich lange Staus, nachdem die Polizei alle in den Süden führenden Routen gesperrt hatte. Laut Medienberichten kam es unter anderem aufgrund der starken Rauchentwicklung zu mitunter chaotischen Szenen. Auf Twitter posteten die fliehenden Anwohner Videos, die die bedrohliche Situation zeigen.

«Seien Sie geduldig, fahren Sie besonnen und machen Sie bitte Platz für Einsatzfahrzeuge», hiess es in dem Aufruf des Katastrophenschutzes. In einem ersten Aufruf am Dienstag hatte der Katastrophenschutz nur 30.000 Bewohner aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Doch dann kamen die Flammen, angetrieben von starkem Wind, immer näher.

Bereits am Montag hatten 500 Menschen wegen der Brände ihre Häuser verlassen müssen. Die Provinz Alberta erlebt nach einem milden Winter derzeit eine Rekorddürre. Am Dienstag herrschten Temperaturen von fast 30 Grad Celsius. Die Behörden fürchten nun, dass ein Wetterumschwung in den kommenden Tagen die Waldbrände weiter anfachen könnte. (jros/afp)

Deine Meinung