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Genozid in RuandaMehr als 800'000 Tote in 100 Tagen

1994 brach in Ruanda der Bürgerkrieg aus. Die Weltgemeinschaft schaute weg. Statt ihr griffen die Rebellen ein und stürzten die für das Massaker verantwortliche Regierung.

von
fee

Der Abschuss des Flugzeugs mit Präsident Juvénal Habyarimana an Bord gab am 6. April 1994 den Startschuss zum Völkermord in Ruanda. Mehr als 800'000 Tutsis und gemässigte Hutus wurden in nur 100 Tagen niedergemetzelt, oft mit Macheten, Äxten, Speeren und Knüppeln. Manche sprechen von einer Million Opfer.

Das Ausmass dieser Apokalypse ist im 20. Jahrhundert nur mit wenigen anderen Massenmorden vergleichbar, darunter dem Holocaust und den Killing Fields der Roten Khmer in Kambodscha.

Situation falsch eingeschätzt

Die Täter waren regierungsnahe Uniformierte, aber auch Zivilisten. Habyarimana war Hutu und sie gaben der Minderheit der Tutsis die Schuld an seinem Tod. Das Massaker war allerdings von langer Hand vorbereitet; wer das Flugzeug abschoss, blieb ungeklärt.

Alle Hilferufe an die Weltgemeinschaft und an die Vereinten Nationen verhallten ungehört. «Weder das UNO-Sekretariat noch der Sicherheitsrat, die Mitgliedsstaaten oder die Medien haben den Vorboten dieser Katastrophe genügend Aufmerksamkeit gewidmet», gab der damals für UNO-Friedenseinsätze zuständige Untergeneralsekretär Kofi Annan erst viel später zu. So wurden die UNO-Truppen im Land nach der Ermordung belgischer Blauhelme noch stark verringert. Französischen Truppen wurde sogar zu grosse Nähe zu den Tätern vorgeworfen.

Für die meisten, die sich in Europa abends die Bilder der verstümmelten Opfer in den Fernsehnachrichten ansahen, handelte es sich nur um einen weiteren blutigen Bürgerkrieg in Afrika, um namenlose Schwarze, die in einem weit entfernten Land am Äquator schlimme Massaker begingen.

Rebellen stürzten Regierung

Die blutigen Attacken führten zum Eingreifen der Rebellentruppe RPF unter Paul Kagame, der jahrelang in Kenia im Exil gelebt hatte. Den Rebellen gelang es, die Hutu-Regierung zu stürzen.

Kagame wurde am 19. Juli 1994 Vizepräsident Ruandas und herrscht seit 2000 als Präsident autoritär über den ostafrikanischen Staat. Er hat es dabei mit einer Aussöhnungspolitik vermocht, dass die beiden Volksgruppen wieder friedlich zusammenleben und das Land sich modernisiert.

Der Völkermord vor zwei Jahrzehnten wird dabei nicht verschwiegen. Der 20. Jahrestag wird mit zahlreichen Veranstaltungen im Land begangen.

Ruanda bemüht sich heute um Versöhnung. (Video: Reuters) (fee/sda)

Frankreich ändert Meinung

Frankreich ändert Meinung

Frankreich wird nun doch an der Gedenkfeier für die Opfer des Völkermords in Ruanda vor 20 Jahren teilnehmen.

Botschafter Michel Flesch werde Frankreich bei der Veranstaltung am Montag in Kigali vertreten, erklärte am Sonntagabend das Aussenministerium in Paris.

Damit nahm Frankreich die zuvor verkündete Nicht-Teilnahme an der Veranstaltung zurück. Diese war erklärt worden, nachdem Ruandas Präsident Paul Kagame Frankreich erneut eine Mitschuld an dem Völkermord in dem ostafrikanischen Land 1994 vorgeworfen hatte. (SDA)

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