Aktualisiert 07.12.2010 13:44

Haie

Mehr Angriffe, weniger Todesopfer

Die steigenden Touristenscharen an den Küsten sorgen für steigende Hai-Attacken. Dank fortgeschrittener Medizin gibt es dabei selten Tote.

von
job

Als vorgestern ein Hai am Strand von Sharm el-Scheich eine 70-jährige Touristin aus Deutschland zu Tode biss, war dies gemäss der International Shark Attack File einer von 5 bis 15 jährlichen Haiangriffen mit Todesopfer. Insgesamt gibt es gemäss der Datenbank pro Jahr zwischen 70 und 100 Angriffe von Haien auf Menschen.

Die International Shark Attack File ist eine Datenbank des naturhistorischen Museums der Universität Florida, die ursprünglich Hai-Attacken auf US-Matrosen im zweiten Weltkrieg auflistete. Heute hat sie über 4000 «unprovozierte Haiangriffe» seit 1580 erfasst.

Bessere Medizin

Wie in der Statistik (siehe rechts) zu erkennen ist, haben sich Haiattacken auf Menschen in den letzten hundert Jahren gemehrt, was vor allem mit der steigenden Anzahl von Badegästen in den Weltmeeren zu tun hat. Dank Fortschritten in der Medizin haben die Angriffe immer seltener Todesopfer hinterlassen. International Shark Attack File warnt jedoch vor einer Überbewertung der Statistik, da Haiattacken früher weniger lückenlos gemeldet wurden. Die scheinbare Abnahme von Haiangriffen in den 70ern und 80ern sei lediglich darauf zurückzuführen, dass die Aktualisierung der Datenbank in dieser Zeit vernachlässigt worden sei. In Drittweltländern vermuten die Forscher noch heute eine gewisse Dunkelziffer.

Schaut man sich die Attacken der vergangenen zehn Jahre in Regionen an, kann man nur in Australien und Südamerika klare Trends erkennen: Vor Down Unders Küsten haben sich Haiattacken seit 1999 (ein Angriff) kontinuierlich gesteigert (2008: 20 Angriffe), während sie vor südamerikanischen Küsten in dieser Zeit von acht auf null gesunken sind.

Verwechseln, Anstossen und Anschleichen

Gemäss den Forschern gibt es drei Arten von Haiattacken:

Der «Hit-and-Run»-Angriff: Wegen schlechter Sichtverhältnisse oder turbulentem Wasser verwechselt der Hai Surfer oder Schwimmer mit einem Meerestier und beisst zu. Nachdem er den Irrtum bemerkt hat, lässt er ab und kehrt nicht zurück. Das Opfer ist in den seltensten Fällen lebensgefährlich verletzt. Dies ist gemäss International Shark Attack File bei Weitem die häufigste Attacke. Sie geschieht meist in Küstennähe.

Seltener sind «Bump-and-Bite»- oder «Sneak»-Attacken. Sie enden mit schweren oder tödlichen Verletzungen und betreffen meist Taucher oder Schwimmer unter Wasser. Bei der ersten Angriffsart umkreist der Hai sein Opfer und stösst es. Danach beisst er mehrmals zu. Beim «Sneak»-Angriff schleicht sich der Hai unbemerkt an und greift ohne Vorwarnung an. Diese beiden Formen von Haiattacken geschehen mit Absicht. Die Forscher der International Shark Attack File vermuten, dass sie durch feindlich gedeutetes Verhalten von Seiten der Menschen provoziert werden. Die meisten dieser Attacken geschehen bei Flugzeug- und Schiffsunglücken auf offener See. Ein Grund: Das leuchtende Gelb von Schwimmwesten sehen die Haie besonders gut. Makabre Haiforscher bezeichnen diese Farbe deshalb als «yum yum yellow» («mjam mjam gelb»).

Quelle: International Shark Attack File

Weltkarte der Haiangriffe

Die Forscher der International Shark Attack File haben ihre 4000 seit dem Jahr 1580 erfassten Haiattacken auf Menschen in eine Weltkarte übertragen. Wie darauf ersichtlich ist, fanden die meisten Haiattacken an den Küsten der USA statt (885 Angriffe, vor allem vor Florida, aber auch vor Hawaii und Kalifornien). Auch um Australien (335 Angriffe), den benachbarten Inseln Neuseeland (44) und Papua-Neuguinea (47) sowie Südafrika (212 Angriffe) greifen die Raubtiere gerne mal Menschen an. An Europas Stränden kann man sich mit 31 seit 1847 erfassten Attacken (vor allem in Italien, Griechenland und Kroatien) relativ sicher fühlen. Die letzte tödliche Attacke geschah 1984 vor Griechenland. In Ägypten wurden seit 1828 erst 9 Haiangriffe verzeichnet, nur einer endete bisher tödlich.

Keine Kleintiere, bitte

Tips der Forscher, wie man nicht zum Haiopfer wird:

-In Gruppen schwimmen. Das schreckt die Raubtiere ab.

-Nicht in der Dämmerung und in der Nacht schwimmen: Dann sind Haie am aktivsten, ihre Sinne sind besonders geschärft.

-Nicht mit Juwelen und Bling-Bling baden: Glitzernder Schmuck verwechseln Haie gerne mit Fischhaut. Ebenso wird vom Tragen greller Farben abgeraten – Haie sehen Kontraste besonders scharf.

-Gewässer meiden, in denen Wassersport getrieben oder zum Fischen Köder ausgeworfen werden. Ein Anzeichen dafür sind Seevögel, die sich ins Wasser stürzen.

-Keine Kleintiere ins Wasser nehmen. Ihre sprunghaften Bewegungen locken Haie an.

-Nicht Baden mit blutenden Wunden. Haie haben nicht nur eine besonders feine Nase für Blut, sondern für alle Arten von Körperflüssigkeiten. Die Forscher sind überzeugt, dass auch Urin Haie anlockt. Während der Menstruation könne man aber

Tips für Taucher

-Wenn ein Hai auftaucht: Sich nicht bewegen. Die meisten Haie sind nur neugierig und schwimmen wieder weg.

-Wenn der Hai bleibt, schnell, aber ruhig wegzuschwimmen

-Wenn der Hai angreift: In Zickzack-Kurven davonschwimmen. In Küstennähe auf den Grund, um hinter Felsen Deckung zu suchen, auf offener See zur Oberfläche und zum Boot.

-Falls es hart auf hart geht: Sich wehren mit allem, was man hat. Toter Mann spielen bringt nichts.

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