WWF-Umfrage: Mehr Bären für die Schweiz
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WWF-UmfrageMehr Bären für die Schweiz

Schweizerinnen und Schweizer wollen wieder frei lebende Bären im Land. Wie eine repräsentative Umfrage ergab, befürworteten 85 Prozent die Rückkehr des Bären. Die gute Nachricht: Vier Jungbären sind bereits in Grenznähe.

Dies zeigt eine am Montag veröffentlichte Umfrage. Sie war vom WWF mit Blick auf den ersten Todestages des Bündner Bären «JJ3» in Auftrag gegeben worden. Die Nachfolger des inzwischen ausgestopften Tiers seien wanderbereit. In der italienischen Alpenregion seien derzeit vier Jungtiere unterwegs.

Leichter «Bärengraben»

JJ3 wurde am 14. April 2008 oberhalb von Thusis von Bündner Wildhüter erschossen. Der berühmteste Bär der Schweiz steht heute ausgestopft im Naturmuseum in Chur. «Doch Bären haben ein besseres Schicksal verdient als in Museen zu stehen oder auf Wappen und Wirtshauschildern verewigt zu werden», schreibt WWF Schweiz. Die Umfrage zeige, dass der Bär akzeptiert werde: 85 Prozent der Deutschschweizer und 81 Prozent der Romands befürworten demnach die Rückkehr des Bären ins Land. Sogar in den Alpen und Voralpen liege die Zustimmung mit 85 Prozent genau im schweizerischen Durchschnitt. Der Bär werde also auch in der betroffenen Region gut akzeptiert, teilte der WWF mit. Für die Umfrage wurden 1012 Personen befragt.

«Schweiz muss bärentauglich werden»

Der nächste Bär kommt laut der Organisation bestimmt. In den italienischen Alpen seien derzeit vier Jungtiere wanderbereit. «Deshalb muss die Schweiz endlich bärentauglich werden», wird die WWF-Bärenexpertin Joanna Schönenberger zitiert. Dazu brauche es einen besseren Schutz von Schafherden und ein Abfallmanagement in allen potenziellen Bärenregionen. Als Vorbild diene die Biosphärenregion Münstertal: Hier seien auf vorbildliche Weise bärentaugliche Abfalleimer aufgestellt. Andere andere Futterquellen seien entfernt worden.

Dem zweijährigen JJ3 war seine mangelnde Scheu vor Menschen zum Verhängnis geworden. Die Behörden gaben ihn zum Abschuss frei, weil er auf Futtersuche zu oft in der Nähe von Häusern in Abfällen wühlte. Vor JJ3 war letztmals 1904 ein Bär im Engadin erlegt worden. Danach galt der Bär in der Schweiz für über 100 Jahre als ausgestorben. Ab 2005 wurden vereinzelt Bären in der Schweiz gesichtet. JJ3 wanderte im Juni 2007 ein. Schreckschüsse und weitere Vergrämungsaktionen hielten ihn nicht vor Streifzügen in Siedlungen ab, so dass ihn die Behörden zum Schluss zum «Risikobär» hochstuften. JJ3 ereilte das gleiche Schicksal wie seinen Bruder «Bruno», der 2006 in Bayern erschossen worden war.

(AP/SDA)

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