Aktualisiert 02.06.2011 19:53

BernMehr Berner stark verschuldet

Die Zahlen der Berner Schuldenberatung zeigen: Eine steigende Zahl Klienten ist so verschuldet, dass sie Privatkonkurs anmelden müssen.

von
nj
Schuldensanierer Mario Roncoroni. Foto: alessandro meocci

Schuldensanierer Mario Roncoroni. Foto: alessandro meocci

Schlechte Anstellungsbedingungen, wenig Einkommen und ständig steigende Lebenshaltungskosten: «Immer mehr Berner leben in prekären Si­tuationen und können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen», weiss Mario Ronco­roni von der Berner Schuldenberatungsstelle. Er und sein Team bekommen die Folgen dieses bedenklichen Trends direkt zu spüren: 2010 wurden 1079 telefonische Vorgespräche geführt und 557 neue Beratungsdossiers eröffnet – im Vorjahr waren es noch 741 Anrufe und 368 Dossiers gewesen. Gleichzeitig werde die Arbeit immer härter: «Banken nehmen ihre Verantwortung beim Inkasso immer weniger wahr und verkaufen Verlustscheine einfach an Inkasso­büros», so Roncoroni Diese seien kaum kooperativ, so dass für Betroffene oft nur der Privatkonkurs übrig bleibe. 25 mussten letztes Jahr eingeleitet werden – das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (10). Durchschnittlich stehen die Klienten mit 80 000 Franken in der Kreide.

Ein Präventionsprojekt soll den Schuldentrend nun bremsen: «Ornig mache» richtet sich an junge Erwachsene sowie Personen, die bereits in einer Beratung waren, und vermit­telt eine vernünftige Budget­planung. Eine solche hat mittlerweile auch Klientin Anna Anliker*: Die 70-Jährige häufte in jahrelanger Spielsucht 40 000 Franken Schulden an. Dank ­kooperativen Gläubigern konnte jedoch eine Lösung gefunden werden: Heute stottert die ­Rentnerin einen kleinen Teil­betrag ab.

*Name geändert (nj/20 Minuten)

«Immer mehr Berner leben in prekären Situationen und können Schulden nicht mehr zurückzahlen.»

Berater Mario Roncoroni

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