Nahrungsmittelkrise: Mehr Bio soll Hungerkrise mindern
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NahrungsmittelkriseMehr Bio soll Hungerkrise mindern

Für den gebürtigen Walliser Hans-Rudolf Herren, Präsident des Millennium Institute in Washington (USA), hat die Nahrungsmittelkrise vor allem eine Botschaft: Es braucht einen raschen Wandel in Richtung Biolandwirtschaft.

Nahrungsmittel müssten heute nachhaltiger und ökologischer angebaut werden, hält Hans-Rudolf Herren in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA fest. Statt einer intensiven Produktion, die viel Düngemittel und chemische Unkrautbekämpfungsmittel verwendet, müssten die Bauern in Zukunft auf biologischen Anbau setzen.

«Biologischer und nachhaltiger Anbau hält den Boden auf natürliche Weise fruchtbar», sagt Herren. Er stützt sich dabei auf eine Evaluation des Weltagrarrates (IAASTD), dessen Co-Präsident er ist. Der 2000-seitige Bericht habe gezeigt, dass die Praktiken der industriellen Landwirtschaft zerstörerisch wirkten.

Gemäss Herren zeigt der Bericht zudem, dass auch genetisch modifizierte Pflanzen keine Abhilfe gegen Hunger und Armut schaffen. 57 Länder, darunter die Schweiz, unterstützten den Bericht, der Lösungen für die Nahrungsmittelkrise aufzeige.

Dass die von Herren propagierte biologische Landwirtschaft funktioniere, hätten Erfahrungen in Afrika gezeigt - auch wenn Kritiker immer wieder behaupteten, die Welt könne mit biologischer Landwirtschaft nicht ernährt werden.

Zaubermittel Mischkultur

In Kenia hätten 15 000 Bauern ihre Mais- und Futterproduktion in drei Jahren verdreifacht. Das Mittel sei eine Mischkultur: Zwischen die Reihen der Maispflanzen werde eine Hülsenfrucht gepflanzt, und dies löse Probleme mit Unkraut. Zudem produzierten die Pflanzen im Boden Stickstoff, was den Mais ernähre.

Ergänzt wird die Kultur mit Futtergetreide, das schädliche Insekten anlockt und damit vom Mais fernhält. Das Laub der Hülsenfrüchte wird dem Vieh verfüttert. Die Tiere produzieren organischen Dünger für die Felder. Herren spricht von einem geschlossenen System, das sich langsam, aber sicher regeneriere.

Die langfristige Perspektive mache es für sein Millennium Institute manchmal schwer, von den Regierungen angehört zu werden. «Diese wollen vor allem rasche Resultate sehen», sagt Herren. Das Institut habe Modelle entwickelt, um Szenarien der nachhaltigen Entwicklung zu analysieren und um die Politik zu informieren.

Diese Arbeiten betreffen über 20 Länder in Afrika, Lateinamerika, Asien und in der Karibik. Laut Herren bleibt das dringendste Problem die Finanzierung. Diese sei besonders schwierig sicherzustellen, wenn es sich um Projekte der nachhaltigen Entwicklung, also langfristige Projekte, handle.

Nichtsdestotrotz gewinnt Herren der Nahrungsmittelkrise auch eine positive Seite ab: «Uns wird wieder in Erinnerung gerufen, dass Lebensmittel nicht im Supermarkt, sondern in der Umwelt wachsen.» Diese Umwelt brauche Pflege, wenn sich die Menschheit ausreichend und gesund ernähren wolle.

(sda)

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