«Es bringt nichts»: Mehr Bissattacken trotz Kampfhunde-Verbot
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«Es bringt nichts»Mehr Bissattacken trotz Kampfhunde-Verbot

Nur noch 259 Kampfhunde leben im Kanton Zürich, trotzdem wurden 2015 auffällig viele Bissattacken registriert. Von Tieren, die nicht als Kampfhunde gelten.

von
rad
Nebst einigen anderen Politikern ist auch die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin für die Abschaffung des Kampfhundeverbots: «Ich bin gegen ein Rassenverbot, weil es nichts bringt.»

Nebst einigen anderen Politikern ist auch die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin für die Abschaffung des Kampfhundeverbots: «Ich bin gegen ein Rassenverbot, weil es nichts bringt.»

Keystone/Alessandro Della Bella

Das Zürcher Stimmvolk hat 2008 eines der härtesten Kampfhundeverbote der Schweiz verabschiedet, dieses trat 2010 in Kraft. Seither ist die Zucht, der Erwerb oder etwa der Zuzug von Hunden «mit erhöhtem Gefahrenpotenzial» verboten.

Hundebesitzer, die bereits zuvor im Besitz eines solchen Hundes waren, mussten, um diesen zu behalten, eine Haltebewilligung einholen. Nebst einer Wohnsitzbestätigung muss Einsicht ins Vorstrafenregister gewährt werden und zudem ein Wesenstest mit entsprechendem Hund absolviert werden.

«Ich fühlte mich kriminalisiert und diskriminiert», sagt Hundetrainerin Belinda Brunner zum «Tages-Anzeiger». Die 32-Jährige musste das Prozedere damals wegen ihres American Staffordshire Terriers über sich ergehen lassen.

«Ich bin gegen ein Rassenverbot»

Die Stiftung Tier im Recht fordert eine Einheitslösung ohne Verbote. Nach dem Vorfall in Oberglatt ZH, bei dem der 6-jährige Süleyman von drei Pitbulls zu Tode gebissen wurde, brauchte die Politik einen Sündenbock – mit dem Pitbull wurde diese fündig, so Christine Künzli, Rechtsanwältin von der Stiftung Tier im Recht.

Nebst einigen anderen Politikern ist auch die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin für die Abschaffung des Kampfhundeverbots: «Ich bin gegen ein Rassenverbot, weil es nichts bringt.» Der FDP-Ständerat Ruedi Noser hat letzte Woche zudem eine Motion eingereicht, die eine Abschaffung der obligatorischen Hundekurse fordert: «Das Problem liegt nicht bei den Hunden, sondern am anderen Ende der Leine.»

Laut Zahlen des kantonalen Veterinäramts ist die Zahl der Hunde der Rassentypenliste II, die oft als Kampfhunde bezeichnet werden, seit der Einführung des Hundegesetzes 2010 gesunken. Von damals 350 Hunden auf noch 259 im letzten Jahr. Trotzdem zeigt die Hundebiss-Statistik 2015 mit 667 gemeldeten Bissen einen deutlichen Anstieg zum Jahr 2010 mit damals noch 543 Bissen. Die Liste der Hunde, die zugebissen haben, führt nach wie vor der Deutsche Schäferhund an.

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