Mehr Covid-Patienten im Spital - Politik diskutiert über Corona-Verschärfungen
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Überlastete SpitälerMehr Covid-Patienten im Spital – drohen bereits schärfere Massnahmen?

Die Zahl der Covid-Patienten in Schweizer Spitälern steigt wieder an. Bereits diskutieren Politik und Behörden wieder über Kapazitätsbeschränkungen an Veranstaltungen.

von
Noah Knüsel
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Einige Spitäler sind wegen der steigenden Zahl der Corona-Hospitalisierungen bereits am Anschlag. «Wenn sich die Hospitalisationen im nächsten Monat wieder verdreifachen, ist die Gesundheitsversorgung gefährdet», sagt Anne Bütikofer, Direktorin des Spitalverbands H+.

Einige Spitäler sind wegen der steigenden Zahl der Corona-Hospitalisierungen bereits am Anschlag. «Wenn sich die Hospitalisationen im nächsten Monat wieder verdreifachen, ist die Gesundheitsversorgung gefährdet», sagt Anne Bütikofer, Direktorin des Spitalverbands H+.

20min/François Melillo
Im Moment orientiert sich der Bundesrat bei den Corona-Massnahmen an der Auslastung des Gesundheitswesens. Für Mitte-Nationalrat Lorenz Hess ist deshalb klar: «Wenn es so weitergeht, muss er sich schnell wieder mit Massnahmenverschärfungen befassen.»

Im Moment orientiert sich der Bundesrat bei den Corona-Massnahmen an der Auslastung des Gesundheitswesens. Für Mitte-Nationalrat Lorenz Hess ist deshalb klar: «Wenn es so weitergeht, muss er sich schnell wieder mit Massnahmenverschärfungen befassen.»

20min/François Melillo
«Setzt sich die aktuelle Dynamik fort, reden wir bald wieder über Dinge wie Kapazitätsbeschränkungen an Veranstaltungen», befürchtet Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber.

«Setzt sich die aktuelle Dynamik fort, reden wir bald wieder über Dinge wie Kapazitätsbeschränkungen an Veranstaltungen», befürchtet Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber.

20min/Simon Glauser

Darum gehts:

  • Corona-Infizierte belegen immer mehr Betten auf Schweizer Intensivstationen.

  • «Setzt sich die aktuelle Dynamik fort, reden wir bald wieder über Dinge wie Kapazitätsbeschränkungen an Veranstaltungen», befürchtet Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber.

  • FDP-Gesundheitspolitiker Marcel Dobler dagegen winkt ab: «Es braucht im Moment keine strengeren Massnahmen.»

  • Epidemiologe Andreas Cerny spricht von einer «sehr beunruhigenden Situation».

Weil immer mehr vorwiegend ungeimpfte Personen wegen Corona ins Spital eingeliefert werden, sind einige Spitäler bereits am Anschlag: So müssen etwa am Luzerner Kantonsspital bereits Operationen verschoben werden. «Wenn sich die Hospitalisationen im nächsten Monat wieder verdreifachen, ist die Gesundheitsversorgung gefährdet», sagt Anne Bütikofer, Direktorin des Spitalverbands H+.

Im Moment orientiert sich der Bundesrat bei den Corona-Massnahmen an der Auslastung des Gesundheitswesens. Für Mitte-Nationalrat Lorenz Hess ist deshalb klar: «Wenn es so weitergeht, muss er sich schnell wieder mit Massnahmenverschärfungen befassen.»

Bald strengere Massnahmen?

«Setzt sich die aktuelle Dynamik fort, reden wir bald wieder über Dinge wie Kapazitätsbeschränkungen an Veranstaltungen», befürchtet Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber. Um das zu verhindern, müssten nun die Unentschlossenen so sensibilisiert werden, dass sie sich möglichst schnell impfen lassen.

FDP-Gesundheitspolitiker Marcel Dobler dagegen winkt ab: «Es braucht im Moment keine strengeren Massnahmen.» Die Situation müsse zwar genau beobachtet werden, sagt er. Aber: «Wir haben genügend Möglichkeiten, die regional unterschiedliche Auslastung der Spitäler auszubalancieren.» Zudem müsse klar kommuniziert werden, dass derzeit praktisch nur Ungeimpfte auf den Intensivstationen lägen: «Die Zahlen zeigen klar: Die Impfung schützt vor einem schweren Corona-Verlauf.»

«Massnahmen nicht ausgeschlossen»

Das BAG nimmt zu allfälligen Massnahmenverschärfungen nicht Stellung. Bei der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren verweist man auf den Pandemieplan des Bundes: «Laut diesem ist es auch in der Normalisierungsphase nicht ausgeschlossen, dass zum Schutz des Gesundheitssystems wieder Massnahmen ergriffen werden könnten», sagt Sprecher Tobias Bär. Der Bund hat die kritische Schwelle bei 120 Hospitalisationen im Wochenschnitt festgelegt. Derzeit liegt dieser bei etwa 54 (20. August).

Die GDK fordert ein Zusammenspiel zwischen Bund und Kantonen: «Bei einer schweizweit ungünstigen Entwicklung sind nationale Verschärfungen zweckmässiger und von der Bevölkerung besser akzeptiert als kantonale Massnahmen.»

Epidemiologe: «Eine sehr beunruhigende Situation»

Herr Cerny*, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Der Anstieg der Fallzahlen und Hospitalisierungen ist sehr beunruhigend. Er ist vor allem durch Ferienrückkehrer bedingt: In Kantonen, wo die Schule schon wieder begonnen hat, sind die Spitäler stärker ausgelastet. Schon jetzt müssen Operationen verschoben werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Zahl der belegten Intensivbetten wird weiter zunehmen und unser Gesundheitssystem wird immer stärker unter Druck geraten. Im schlimmsten Fall erleben wir eine Wiederholung der zweiten Welle vom Herbst 2020, die viermal so viele Todesopfer forderte wie die erste Welle.

Wie können wir das verhindern?

Es müssten gezielt dort Massnahmen ergriffen werden, wo die meisten Übertragungen passieren. Dazu müssten die Daten der Kantone genauer analysiert werden. Zudem braucht es weiterhin Schutzmassnahmen mit Maske, Distanz und Handhygiene und eine wirksame Impfkampagne.

*Andreas Cerny ist Epidemiologe am Moncucco-Spital in Lugano

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