Branche in Kritik: Mehr Ekzeme wegen Hautcremes
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Branche in KritikMehr Ekzeme wegen Hautcremes

Weil Allergien zunehmen, bekommen mehr Leute durch Cremes einen Hautausschlag. Deshalb soll die Kosmetik-Industrie jetzt auf einen Konservierungsstoff verzichten.

von
Lea Blum
Der Konservierungsstoff Methylisothiazolinon, der in Bodylotions, Shampoos und Feuchttüchern vorkommt, kann Ausschläge auslösen.

Der Konservierungsstoff Methylisothiazolinon, der in Bodylotions, Shampoos und Feuchttüchern vorkommt, kann Ausschläge auslösen.

Draussen ist es kalt, die Luft ist trocken und der Haut fehlt es an Feuchtigkeit. Cremes sollen hier Abhilfe schaffen. Doch statt geschmeidiger Haut hinterlassen sie bei vielen Juckreiz und Ausschlag: In den vergangenen Jahren wurden immer öfter Dermatologen wegen Hautausschlägen kontaktiert, wie Barbara Ballmer-Weber, Leitende Ärztin der Dermatologie am Unispital Zürich, sagt.

Seit der Konservierungsstoff MI (Methylisothiazolinon) vermehrt in Beauty-Produkten wie Hautcremes eingesetzt wird, stelle man öfter Allergien und Hautirritationen bei Konsumenten fest. «Die Sensibilisierungsrate auf Methylisothiazolinon ist gestiegen», sagt Ballmer-Weber. Bei Tests, in denen die Reaktionen der Haut auf kosmetische Artikel geprüft wurden, konnten zum Teil Allergien auf MI für die beobachtete Hautallergie verantwortlich gemacht werden.

Auch die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) erhält oft Reklamationen wegen Kosmetikartikeln. «Die Leute wissen zum Teil nicht, was in den Produkten alles drin ist und leiden, wenn sie allergisch reagieren», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Die SKS setzt sich deshalb im Zug der Revision des Lebensmittelgesetzes, das auch die Vorgaben für kosmetische Produkte regelt, für eine klare Definition der Inhaltsstoffe ein.

Die Kosmetikindustrie reagiert

Der Europäische Dachverband der Kosmetikindustrie Cosmetics Europe hat nun wegen der steigenden Zahl der allergischen Reaktionen eine Empfehlung herausgegeben: Kosmetikhersteller sollen bei sogenannten Leave-on-Artikeln auf MI verzichten. Konkret soll der Konservierungsstoff nur noch in Produkten wie Shampoos oder Duschgels eingesetzt werden, die nach dem Gebrauch abgewaschen werden.

Der Schweizerische Kosmetik- und Waschmittelverband unterstützt diese Empfehlung und hat seine Mitglieder entsprechend informiert. Mehr kann der SKW laut Direktor Bernard Cloëtta derzeit nicht tun: Gemäss Verordnung des EDI über kosmetische Mittel darf die Substanz in einer Konzentration von 0,01 Prozent in kosmetischen Produkten enthalten sein. «Die Verantwortung für die Produkte liegt bei den Herstellern», so Cloëtta.

Nivea will MI verbannen

Fast alle Hersteller setzen auf Konservierungsmittel wie MI. Ohne diese würden ihre Produkte schon wenige Tage nach dem Öffnen verderben – Methylisothiazolinon stoppt die Vermehrung von Bakterien. Nivea, das MI unter anderem in der «Express Feuchtigkeit Bodylotion» und in den «Pure&Sensitive»-Feuchttüchern für Babys verwendet, stellt aber derzeit seine Rezepturen um: «Unser Ziel ist es, Methylisothiazolinon bis Anfang 2015 in allen relevanten Produkten zu ersetzen», heisst es auf Anfrage.

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