Schweiz betroffen: Mehr Flüchtlinge fliegen mit gefälschtem Pass
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Schweiz betroffenMehr Flüchtlinge fliegen mit gefälschtem Pass

Die Zahl der Flüchtlinge, die mit gefälschten Pässen reisen, hat markant zugenommen. Hinter dem Geschäft um die gefälschten Papiere steckt ein ausgeklügelter Mechanismus.

von
gux
Syrische Flüchtligne warten im Rahmen des EU-Relokationsprogramms  am 31. Oktober 2016 am internationalen Eleftherios-Venizelos-Flughafen in Athen, um nach Helsinki, Finnland, zu fliegen.

Syrische Flüchtligne warten im Rahmen des EU-Relokationsprogramms am 31. Oktober 2016 am internationalen Eleftherios-Venizelos-Flughafen in Athen, um nach Helsinki, Finnland, zu fliegen.

Keystone/Orestis Panagiotou

In Griechenland festsitzende Flüchtlinge versuchen immer häufiger, mit gefälschten Pässen in andere EU-Staaten zu fliegen. Bevorzugte Ziele seien Deutschland, Italien, die Niederlande und Belgien sowie, als einziges Nicht-EU-Land, die Schweiz.

Das schreibt die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf einen Bericht der EU-Polizeibehörde Europol und des EU-Grenzschutzamts Frontex.

Die Zahl der aufgedeckten Fälle stieg von 429 im ersten Quartal 2017 auf 729 im zweiten Quartal, also um 70 Prozent.

Von griechischen bis koreanischen Pässen

Es seien vor allem Syrer, Afghanen, Iraner Türken, Albaner und Eritreern, die mit gefälschten Papieren unterwegs seien, so Bild.de. Während syrische Flüchtlinge gefälschte griechische, italienische, deutsche oder syrische Pässe benutzten, seien Afghanen meist mit gefälschten französischen oder koreanischen Ausweisen unterwegs, so der Bericht.

Ein gefälschter Pass kostet nach Informationen aus Polizeikreisen zwischen 3000 und 7000 Euro.

Flüchtlinge erzählen, dass Schlepper in ihren Büros in Athen über stapelweise Pässe verfügten, diese seien gestohlen, verkauft, verloren gegangen oder wirklich gefälscht. Hervorgesucht wird jeweils ein Ausweis, dessen Foto am besten zum Gesicht des Käufers passt, oder das Foto des Flüchtlings wird für einen Pass verwendet, der auf den Namen etwa eines existierenden griechischen Bürgers ausgestellt ist. Am teuersten sind Pässe mit gleichem Familiennamen für Eheleute oder für Eltern und Kinder.

Flüchtlinge erhalten einen Code

Dabei hat sich ein rundlaufender Mechanismus ausgebildet, wie der «Tagesspiegel» schreibt: Die Flüchtlinge geben das Geld einem Mittelsmann, der es in einem Safe hinterlegt. Der Flüchtling erhält dafür den Zugangscode, denn er zahlt nur, wenn er es mit den gefälschten Papieren von Griechenland auf einen Flug in ein anderes Land der Schengen-Zone schafft.

Hat er die Zollkontrollen am Flughafen erfolgreich hinter sich gelassen, ruft er seinen Schlepper an und gibt ihm den Code für den Safe durch. Wird er erwischt, erhält er einen neuen falschen Ausweis und muss damit erneut versuchen, die Kontrollen zu täuschen.

«Keine Stunde auf der Polizeiwache»

Im letzten Jahr hatten Flüchtlinge, die noch in Griechenland mit gefälschten Dokumenten erwischt wurden, wenig zu befürchten: «Flüchtlinge, die auffliegen, sitzen keine Stunde auf der Polizeiwache. Gefälschte Pässe werden vernichtet, authentische an die Konsulate der Länder in Athen geschickt. Eine Strafanzeige gibt es in der Regel nicht», schreibt der «Tagesspiegel».

200 illegal reisende Immigranten greift die Polizei am Flughafen Eleftheros Venizelos in Athen an Spitzentagen heraus. Wie viele unerkannt durchkommen, lässt sich kaum rekonstruieren.

Auf den Ägäis-Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos leben derzeit rund 15'500 Flüchtlinge. Sie sind zwar registriert, doch viele tauchen unter und schlagen sich nach Athen durch, um Griechenland, wo sie keine Perspektiven haben, verlassen zu können. Seit August kommen wieder merklich mehr Menschen nach Griechenland.

Erdogan irritiert bei Besuch

Bei dem ersten Besuch eines türkischen Präsidenten in Griechenland seit Jahrzehnten hat Recep Tayyip Erdogan seine Gastgeber mit Forderungen nach der Revision des Grenzverlaufs irritiert. Zudem warf er der EU Verzögerungen bei der Umsetzung des Flüchtlingspakts vor. Die EU habe «keines ihrer Versprechen im wirtschaftlichen Bereich erfüllt», wohingegen sein Land alle Zusagen eingehalten habe, sagte Erdogan. Er wirft der EU seit langem vor, nicht ihren Teil des Abkommens von März 2016 zu erfüllen, darunter die Zahlung von Hilfsgeldern.

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