Aktualisiert 10.07.2015 05:44

Förster-Mangel

Mehr Frauen sollen Holz hacken und Bäume fällen

In der Forst-Branche droht in ein paar Jahren ein Drittel aller Stellen unbesetzt zu bleiben. Nun soll der Beruf für Frauen attraktiver gemacht werden.

von
Matthias Kempf
1 / 4
Baum fällt! In der Forst-Branche werden bis in 15 Jahren die Hälfte aller Förster pensioniert. Es fehlt an Nachwuchs.

Baum fällt! In der Forst-Branche werden bis in 15 Jahren die Hälfte aller Förster pensioniert. Es fehlt an Nachwuchs.

Keystone/Gaetan Bally
Die Branche setzt auf das weibliche Geschlecht. Nur wenige Prozente machen Frauen an der Forstwirtschaft aus. In zehn Jahren soll der Frauenanteil rund 30 Prozent betragen.

Die Branche setzt auf das weibliche Geschlecht. Nur wenige Prozente machen Frauen an der Forstwirtschaft aus. In zehn Jahren soll der Frauenanteil rund 30 Prozent betragen.

Keystone/Gaetan Bally
Vor allem in Kader-Funktionen, für die es Abschlüsse an der Fachhochschule oder der ETH (Bild) braucht, werden Frauen gesucht. Aber auch der einfache Beruf des Forstwarts soll vermehrt mit Frauen besetzt werden.

Vor allem in Kader-Funktionen, für die es Abschlüsse an der Fachhochschule oder der ETH (Bild) braucht, werden Frauen gesucht. Aber auch der einfache Beruf des Forstwarts soll vermehrt mit Frauen besetzt werden.

Keystone/Walter Bieri

Otmar Wüest ist besorgt. Der Geschäftsführer von Wald Schweiz hat Mühe, Nachwuchs für die Forst-Branche zu finden. «Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, dann kann in zehn Jahren jede dritte Stelle in der Forstwirtschaft nicht mehr mit Waldfachleuten besetzt werden.» Grund für die Problematik ist eine Pensionierungswelle. Laut einer Studie von Codoc, der eidgenössischen Fachstelle für Koordination, Dokumentation und Bildung Wald, werden in den nächsten 15 Jahren die Hälfte aller Reviers- und Kreisförster in der Schweiz pensioniert. Das sind rund 550 Leute.

Doch der Nachwuchs fehlt. «Schon heute haben wir immer mehr Bewerbungen aus dem grenznahen Ausland», sagt Otmar Wüest. Hauptsächlich aus Deutschland kämen gut ausgebildete Leute. Laut Wüest fehlen der Branche vor allem Personen für die Kaderpositionen, die einen ETH- oder Fachhochschulabschluss voraussetzen. Die offenen Stellen gänzlich mit ausländischen Arbeitskräften zu besetzen ist für Wüest keine Option: «Wir möchten die eigene Jugend wieder für den Beruf des Försters gewinnen.»

Frauen sollen es richten

Die Forst-Branche erweitert für die Personalrekrutierung ihren Fokus. «Wir möchten vermehrt Quereinsteiger und vor allem Frauen in den Beruf locken», so Wüest. Heute sei die Frauenquote bei den Waldfachleuten im tiefen einstelligen Prozentbereich. Kurzfristig möchte die Branche 10 Prozent Frauen. Langfristig soll der Anteil gar auf 30 Prozent erhöht werden. Kein einfaches Unterfangen in einer Branche, der ein eisernes Männer-Image anhängt, weiss Wüest: «Wir werden punktuell Veränderungen einführen, um den Beruf auch für Frauen attraktiv zu gestalten.»

In einem ersten Schritt wolle man weg vom Image, dass nur kräftige Männer für den Forstberuf geeignet seien. Oft gehe nämlich vergessen, dass der Job zu einem grossen Teil aus Büroarbeiten besteht. «Mit Vorstudienpraktika möchten wir den Jungen nach der Schule einen Einblick geben und zeigen, dass die Arbeit nicht rein körperlich ist», so Wüest.

Frauen kämen hauptsächlich für die benötigten Kaderfunktionen infrage. Zu diesem Zweck soll auf die Karrierechancen verwiesen werden. «In der Forstbranche hat man diverse Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten», so Wüest. Studiengänge an der Fachhochschule oder der ETH führen zu einem Master in Forstwirtschaft respektive Umweltnaturwissenschaften.

Bald ein sexy Försterinnen-Kalender?

Für die Anwerbung des weiblichen Geschlechts hat Wüest verschiedene Massnahmen in Planung. «Wir werden verstärkt an Berufsmessen vertreten sein und mit Informationsveranstaltungen direkt in die Schulen gehen.» Vor allem in urbanen Gebieten müsse man mehr werben, da der Forstberuf dort eher fremd sei. «Aber auch in den Städten gibt es junge Menschen, die bewusst einen Beruf im Umweltbereich suchen», so Wüest.

Nicht geplant, aber durchaus denkbar sei ein Försterinnen-Kalender, wie ihn der Bauernverband mit Bäuerinnen führt. Für Wüest müsste dieser aber ausschliesslich aus echten Schweizer Forst-Arbeiterinnen bestehen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.