Tanz-dich-frei: «Mehr Freiräume könnten viele Probleme lösen»
Aktualisiert

Tanz-dich-frei«Mehr Freiräume könnten viele Probleme lösen»

Die Bewegung «Tanz-dich-frei» will unkontrollierte Räume. Die Forderung sei ernst zu nehmen, sagt der Jugendexperte Peter Sutter.

von
Arno Meili

Die Jugendlichen fordern «mehr Freiräume» – was meinen sie eigentlich damit?

Erstens rebellieren Jugendliche dagegen, dass immer mehr von den Räumen, in denen sie sich aufhalten, reguliert werden. Sie wollen Orte, die sie selbst gestalten können. Zweitens sind immer mehr Räume wie Clubs und Pubs für die Jugendlichen schlicht zu teuer.

Wieso gehen sie nicht in Jugendkeller und Jugendzentren?

Ein Teil der Jugendlichen tut dies, jedoch sind auch diese Räume oft stark reguliert und die Jugendlichen in ihrer Freiheit eingeschränkt. Vor allem jüngere Jugendliche wollen sich an Orten aufhalten, wo sie nicht kontrolliert werden. Denn häufig verläuft ihr Leben sonst schon in stark regulierten Strukturen.

Und was ist mit den zahlreichen Kulturzentren, die teils vor Jahren genau dafür geschaffen wurden?

Kulturzentren richten sich häufig vorwiegend an ein studentisches, intellektuelles und mittlerweile auch zu altes Publikum. Jüngere Jugendliche und solche, die sich mit intellektuellen Inhalten weniger identifizieren können, wollen lieber öffentliche Räume, die sie für sich nutzen können.

Müsste der Staat also noch mehr autonome Freiräume schaffen?

Ich denke, dass würde viele Probleme lösen. Heikle und gewalttätige Situationen könnten so vermieden werden. Ausserdem würde das Vertrauen in die staatlichen Behörden steigen.

Wäre es vielleicht an der Zeit, dass die ältere Generation in den Kulturzentren Platz macht für die Jungen?

Nein, auch diese hat ihre Bedürfnisse, meistens läuft die Ablösung reibungslos.

Was könnte der Staat sonst noch tun?

Investitionen in Kitas, Bildung und Beratung fördern die Integration und mehr Gelassenheit statt Repression im Umgang mit Jugendlichen trägt zur Entspannung bei.

Am Beispiel des Binz-Quartiers in Zürich hat man gesehen, dass solche Freiräume kreativ und friedlich genutzt werden, sobald sie zur Verfügung stehen.

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