Mehr Freizeit für Ärzte
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Mehr Freizeit für Ärzte

Übermüdete Ärzte können Ihre Gesundheit gefährden: Ab nächstem Jahr dürfen Assistenzärzte nur noch maximal 50 Stunden pro Woche arbeiten. Die Spitäler kommen unter Druck.

Ab Anfang 2005 gilt für sie die 50- Stunden-Woche. Etliche Spitäler - vor allem die kleineren -stöhnen unter dem Umstellungszwang. Nicht alle können die Frist einhalten.

Ab Anfang nächsten Jahres gelten für alle Assistenzärzte in der Schweiz die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes (ArG). Dieser Neuerung war ein zäher Arbeitskampf vorausgegangen. In einigen Kantonen wie etwa Bern, Waadt, Genf und Thurgau ist die Umstellung bereits seit einiger Zeit abgeschlossen.

Nach einer H&-Umfrage haben inzwischen 9 Prozent der Spitäler die Umstellung ganz vollzogen. 47 Prozent gaben an, die Umsetzung noch nicht vollzogen, aber per Anfang 2005 geplant zu haben. 15 Prozent können die Umsetzung jedoch nicht per 1. Januar 2005 realisieren.

Die Umfrage wurde letzten Sommer durchgeführt. Es nahmen 55 Spitäler teil, was 14 Prozent der Mitglieder des Spitalverbandes «H& Die Spitäler der Schweiz» entspricht.

Mehr Stellen und höhere Kosten

Dass die Arbeitszeit reduziert werden müsse, sei unbestritten, sagt Franz Wyss, Zentralsekretär der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz. Die Umstellung führe aber mancherorts zu einem Mehrbedarf an Stellen, die häufig jedoch gar nicht besetzt werden könnten, was den Ärztemangel verschärfe.

Schweizweit geht Wyss von einem Mehrbedarf von weit über 1000 Stellen aus. Das bedeutet für die ohnehin unter Spardruck stehenden Spitäler einen beträchtlichen finanziellen Mehraufwand.

Die Ziele des Gesetzes könnten laut Wyss indes auch mit einer geringeren Personalaufstockung erreicht werden, nämlich dann, «wenn dessen einschränkenden Rahmenbedingungen (z.B. Pikett, Zahl der Einsatztage, Ausgleich der wöchentlichen Arbeitszeit über längere Zeit) den Gegebenheiten im Gesundheitswesen angepasst würden».

Für die 55 Spitäler der H&-Umfrage beispielsweise bedeutet die Umstellung eine Erhöhung des Stellenetats um insgesamt 478 Stellen. Die jährliche finanzielle Mehrbelastung wird mit 54,5 Millionen Franken beziffert.

Als weitere Probleme werden in der Umfrage Schwierigkeiten bei der Dienstplanung genannt: Wochenenden, Höchstarbeitszeiten, Nachtarbeit. Einer der umstrittensten Bereiche ist indes der Pikettdienst.

Auswirkungen auf Patientenbetreuung

Wie sich die Neuerungen auf die Patientenbetreuung auswirken, wird sich zeigen. H&-Geschäftsführer Bernhard Wegmüller stellt in der Oktoberausgabe des «VSAO-Journals» fest, dass es nach dem neuen System vermehrte Ärztewechsel geben wird. Früher sei ein Patient über eine längere Zeit vom gleichen Arzt betreut worden.

Für Rosmarie Glauser vom Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO) ist ein übermüdeter Arzt jedoch «sicherlich das grössere Risiko als ein Arztwechsel nach 12 Stunden».

Im stationären Bereich müssten halt vermehrt moderne Informatikmittel eingesetzt werden, um die Patientenunterlagen stets aktuell zu halten, ergänzt der Arzt und VSAO-Berater Stefan Schneider im «VSAO-Journal». (sda)

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