Aktualisiert 05.01.2011 14:14

Gewerkschaften

Mehr Geld für kleine Leute gefordert

Die Lohnschere in der Schweiz öffne sich immer weiter. Dem Durchschnittsverdiener bleibe weniger als vor 10 Jahren. Der Gewerkschaftsbund hält mit vier Strategien dagegen.

Während Reiche zunehmend mehr verdienten, bleibe ärmeren Menschen immer weniger zum Leben, kritisierten die Gewerkschafter an der SGB- Jahresmedienkonferenz. Die SGB-Ökonomen untersuchten das Haushaltsbudget einer vierköpfigen Familie: Diese hatte nach Abzug von Steuern, Gebühren, Wohnkosten und Krankenkassenprämien für das ganze Jahr 2008 rund 1400 Franken weniger im Portemonnaie als noch im Jahr 2000. Heute, im Jahr 2011, verfügten die Leute über noch weniger Geld, sagte der neue Leiter des SGB-Zentralsekretariats, Daniel Lampart, am Mittwoch in Bern.

Das grösste Loch ins Portemonnaie reissen gemäss SGB die Krankenkassenprämien und die Wohnkosten: Zwischen 2000 und 2008 erhöhten sich die Prämien für eine vierköpfige Familie im Schnitt um 2700 Franken pro Jahr. Gleichzeitig verteuerte sich der Wohnraum um jährlich 2100 Franken. Die Löhne nahmen im Durchschnitt zwar ebenfalls zu, nach SGB-Feststellungen aber nicht genug.

Steigende Wohnkosten

Ein Ende dieser Entwicklung ist laut Lampart nicht abzusehen: «Die Wohnkosten steigen weiter an.» Ein Grund dafür ist, dass die Wohnbevölkerung stärker wächst als der Wohnungsbestand. «Vor allem in den Agglomerationen wird es für Familien immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden», erklärte der Ökonom.

Als Gegenmittel müsse der gemeinnützige Wohnungsbau gefördert werden, sagte Lampart. Die Schweiz brauche mindestens 100 000 zusätzliche bezahlbare Wohnungen.

Ungleiche Entwicklung

Während sich die kleinen Leute mit Geldsorgen herumschlagen müssten, explodierten gleichzeitig die Löhne der Reichen, erklärte SGB-Präsident Paul Rechsteiner. Wer einmal reich sei, der profitiere zusätzlich von Privilegien im Steuerbereich, «die Normalsterblichen nicht offen stehen».

Diese Entwicklung will der SGB in den nächsten Jahren weiter bekämpfen: Die Gewerkschafter präsentierten dazu vier Strategien. Ende Januar beginnt die Unterschriftensammlung für die Mindestlohn-Initiative. Mit dem Volksbegehren wollen die Gewerkschafter sämtliche Löhne entweder durch einen Gesamtarbeitsvertrag oder einen gesetzlichen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde absichern.

Schmutziges Spiel der Banken

Weiter will der SGB auch die Schweizer Firmen vor den Auswirkungen des schwachen Euro schützen: Die Nationalbank müsse gezielt intervenieren, um Spekulationen mit dem Frankenkurs zu unterbinden. «Die Banken spielen ein schmutziges Spiel», sagte Rechsteiner.

Es sei unverständlich, dass etwa die UBS mit dem billigen Geld der Nationalbank gegen den Euro und zum Schaden des Frankens spekuliere. Ausgerechnet die Grossbank, die vom Staat gerettet worden sei, gebe solche staatsschädigende Anlageempfehlungen ab. Für die betroffenen Firmen sei zudem ein besonderer Wechselkurs zu prüfen, fordert der SGB. Es stünden über 100 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Höhere Renten

Ebenfalls vorantreiben will der SGB das Projekt AHVplus: Demnach sollen Personen, die bis 5000 Franken verdienen, im Alter 80 Prozent davon als AHV- und Pensionskassenrenten bekommen. Das sind 20 Prozent mehr als heute.

Die Massnahmen seien dringend nötig, sagte Doris Bianchi, geschäftsführende SGB-Sekretärin. Mehr als ein Viertel der über 65-Jährigen sei stark armutsgefährdet. Bianchi erinnerte an die über 130 000 einstigen Gastarbeiter, die nun im AHV-Alter seien.

Weiter im Auge behalten wollen die Gewerkschafter die laufenden Revisionen der IV, des Krankenkassenversicherungsgesetzes und der Unfallversicherung. (sda)

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