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Vatikan an der ExpoMehr Geld für Protz-Pavillon als für Spenden

Italiener kritisieren den «Papst der Armen»: 3 Millionen Euro kostet der Expo-Pavillon des Vatikans in Mailand.

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Papst Franziskus soll über den protzigen Auftritt des Vatikans an der Weltausstellung in Mailand gar nicht erfreut sein.

Papst Franziskus soll über den protzigen Auftritt des Vatikans an der Weltausstellung in Mailand gar nicht erfreut sein.

AFP/Olivier Morin
Für das protzige Gebäude hat der Vatikan drei Millionen Euro ausgegeben.

Für das protzige Gebäude hat der Vatikan drei Millionen Euro ausgegeben.

AFP/Olivier Morin
Zu viel, findet Franziskus: Schliesslich steckt die katholische Kirche mehr Geld in das Ausstellungsgebäude, als sie im letzten Jahr insgesamt für Spenden für die Ebola-Opfer in Afrika, die verfolgten Christen im Irak und die Opfer der Überschwemmungen in Ligurien ausgegeben hat.

Zu viel, findet Franziskus: Schliesslich steckt die katholische Kirche mehr Geld in das Ausstellungsgebäude, als sie im letzten Jahr insgesamt für Spenden für die Ebola-Opfer in Afrika, die verfolgten Christen im Irak und die Opfer der Überschwemmungen in Ligurien ausgegeben hat.

AFP/Olivier Morin

Ärger im Vatikan: Papst Franziskus soll gar nicht glücklich über den protzigen Auftritt des Vatikans an der Weltausstellung in Mailand sein. Laut «Il Fatto Quotidiano» habe der Pontifex richtig ausgerufen, als er erfuhr, dass für «lediglich 360 Quadratmeter» 3 Millionen Euro ausgegeben worden seien.

Die Kosten werden vom Kulturrat des Vatikans, der italienischen Bischofskonferenz und der Erzdiözese Mailand getragen. Trotzdem geht die Rechnung für das Kirchenoberhaupt nicht auf: Die katholische Kirche steckt damit mehr Geld in das Expo-Ausstellungsgebäude, als sie im letzten Jahr für Spenden für die Ebola-Opfer in Afrika, die verfolgten Christen im Irak und die Opfer der Überschwemmungen in Ligurien ausgegeben hat – und zwar insgesamt.

Selbst für die Millionen Erdbebenopfer in Nepal machte die Kirche «bloss» 100'000 Dollar locker, hiess es am Dienstag in einer Mitteilung von «Radio Vatikan».

Italiener ärgern sich über die Kosten

Papst Franziskus ist mit seiner Empörung nicht allein: Viele Leser lassen in den Kommentaren zum Artikel des «Fatto Quotidiano» ihrem Zorn freien Lauf. Leser Tommaso Papale etwa macht eine einfache Rechnung: «Nehmen wir an, dass wir ein Haus bauen wollen. Normalerweise würde das rund 1000 Euro pro Quadratmeter kosten und wenn wir es etwas übertreiben wollen, dann könnten es 2000 Euro pro Quadratmeter sein. Aber hier kostet der Quadratmeter über 8000 Euro. Kann mir jemand erklären, wofür so viel Geld ausgegeben wurde — zumal das Gebäude ziemlich leer steht?»

Andere machen dem Papst Vorwürfe: «Ist er oder ist er nicht das Oberhaupt der katholischen Kirche? Wie kann er nicht gewusst haben, wie viel der Pavillon kostet?», fragt Gabriele. Leser Plastiko meint, der überteuerte Bau widerspiegle die Mentalität des Vatikans: «Leben wie ein Fürst, die Armen können verrecken.»

Vatikan seit Jahrzehnten an Weltausstellungen dabei

Der päpstliche Ärger mag nachvollziehbar sein, doch auch dies muss berücksichtigt werden: Der Vatikan hat eine lange Tradition, sich an internationalen Ausstellungen pompös zu inszenieren. Der Vorsitzende des päpstlichen Kulturrates, Kardinal Gianfranco Ravasi, rechtfertigte die Millionenausgabe damit, dass sich die Kirche von Pius IX. bis Benedikt XVI. auf diese Weise «Gehör verschafft» habe.

Auch wenn er mit dem unbescheidenen Expo-Auftritt der Kirche nicht einverstanden ist: Boykottieren wird der Pontifex die Weltausstellung 2015 in Mailand nicht. Vielmehr macht er das Beste daraus, indem er seine «grüne Enzyklika», sein letztes Werk zum Thema Ökologie, vorstellen lässt. Die Weltausstellung steht dieses Jahr unter dem Motto «Den Planeten ernähren, Energie für das Leben».

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