US-Unterwäschelabel: Mehr Gewinn dank Speckröllchen in Werbung
Aktualisiert

US-UnterwäschelabelMehr Gewinn dank Speckröllchen in Werbung

Ein US-Unterwäschehersteller retuschiert Bilder seiner Models nicht mehr. Für Schweizer Labels wie Calida ist das keine Option.

von
V. Blank

Man kann es lieben oder hassen: Werbefotos für Unterwäsche oder Bikinis, auf denen Speckröllchen, Dehnungsstreifen oder Muttermale der Models zu sehen sind. Der US-Unterwäschehersteller Aerie Lingerie hat jedenfalls Freude am Ergebnis seiner Photoshop-freien Kampagne: Im Jahr 2015 haben die Verkäufe – entgegen dem negativen Branchentrend – um 20 Prozent zugenommen.

Das Unternehmen führt die guten Zahlen unter anderem auf seine Werbung zurück, die Frauen ein positives Körperbild vermitteln soll. «Unsere Kundinnen haben sehr positiv darauf reagiert», sagt Aerie-Präsidentin Jen Foyle zum Onlinemagazin Refinery29. Seit der Einführung der Kampagne seien Umsatz und Gewinn «rapide angestiegen».

Calida: Geringe Dosis Photoshop

Von einem Trend zu unretuschierten Fotos in der Werbung will Frank Bodin, Chef der Werbeagentur Havas Worldwide, nicht sprechen. Es sei aber augenfällig, dass sich die Mode- und Schönheitsindustrie vermehrt Gedanken über das Frauenbild macht. «Viele Unternehmen setzen derzeit auf Authentizität, Natürlichkeit, ja sogar leichte Makel», sagt Bodin zu 20 Minuten.

Wert auf Natürlichkeit legt auch der Schweizer Unterwäschehersteller Calida: Kleine Fältchen, Härchen, Muttermale und Sommersprossen dürfen auf den Werbefotos sichtbar sein. «Models per Photoshop schlanker oder jünger zu machen oder sie sonstwie im Aussehen zu verändern, käme nicht infrage», sagt Calida-Marketingchefin Alexandra Helbling.

Trotzdem: Ganz wie im echten Leben sind auch die Models von Calida nicht auf den Bildern. Doch man beschränke sich auf die sogenannte Pflichtretusche, so Helbling. Das heisst: Kleinere Farbkorrekturen oder Anpassungen in Licht, Kontrast und Schärfe sind auch bei Calida gang und gäbe. Auch kleinere Verletzungen wie etwa blaue Flecken verschwinden dank Photoshop. Das will das Unternehmen auch in Zukunft so beibehalten: «Wir planen nicht, gänzlich unretuschierte Bilder einzusetzen.»

«Alle sollen sich wohlfühlen»

Neben dem Verzicht auf Photoshop engagiert das US-Label Aerie, das zur Marke American Eagle gehört, auch keine Supermodels. «Wir machen BHs, Slips und mehr für alle Mädchen – vom A- bis zum E-Cup», schreibt das Unternehmen. Man wolle erreichen, dass sich alle in ihrem Körper wohlfühlten, unabhängig von der Grösse.

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