Post: Mehr Gewinn - weniger Service
Aktualisiert

PostMehr Gewinn - weniger Service

Von wegen Service Public. Die Post baut seit Jahren schleichend ihre Dienstleistungen ab. Dabei hätte der Gelbe Riese das gar nicht nötig: Die Post präsentiert heute einen Jahresgewinn von 825 Millionen Franken.

An der heutigen Jahresmedienkonferenz hat die Post den 2009 erzielten Gewinn präsentiert: Dieser ist auch durch Sparmassnahmen entstanden. Die Post hat also nicht nur mehr geleistet, sondern vor allem weniger ausgegeben. 2008 hat der gelbe Riese 1500 Poststellen abgebaut und will nun weitere 500 überprüfen. Laut der Gewerkschaft Kommunikation läuft das ebenfalls auf eine Schliessung hinaus.

Weniger Briefkästen

Gespart hat der gelbe Riese im letzten Jahr beispielsweise in der Stadt Bern: Laut «Tages-Anzeiger» wurde jeder sechste Briefkasten entfernt – und von den verbleibenden wird die Hälfte nur noch einmal pro Tag geleert. Diese Massnahmen kritisiert auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz: «Es ist stossend, dass die Post dauernd Briefkästen abbaut und die Bevölkerung dadurch weite Wege in Kauf nehmen muss.»

Abbau des Serivce Public

Für die Umwandlung von kleinen Poststellen in sogenannte Postagenturen mit reduziertem Angebot hat die Konsumentenschützerin noch Verständnis: «Bietet die Post dem Kunden jedoch keine Alternative zur Schliessung, hat das mit Service Public nicht mehr viel zu tun», so Sara Stalder. Laut der Stiftung für Konsumentenschutz lotet die Post die Grenzen ihres staatlichen Auftrags bis aufs Äusserste aus.

Konsumentenschutz: Gewinne sind übertrieben

In den letzen Jahren hat die Post stets grosse Gewinne eingefahren: 2007 betrug der Gewinn 909 Millionen, im vergangenen Jahr 825 Millionen Franken – für die Konsumentenschützerin völlig übertrieben. Sie teilt die Vermutung vieler Kunden, dass die Post vor allem gut gespart und nicht in erster Line kleinkundenorientiert gearbeitet habe. Dem widerspricht Postsprecher Mariano Masserini: «Das gute Resultat ist das Ergebnis effizienter Arbeit.» Die Post habe den Auftrag vom Bundesrat, betriebswirtschaftlich zu handeln. Von ihrem Gewinn will die Post 250 Millionen für die Pensionskasse verwenden. Der Bund als Eigentümer soll 170 Millionen erhalten. 2007 hatte die Post noch 300 Millionen Franken an den Bund abliefern müssen.

Paket statt Brief

Eine Auswirkung der «effizienteren» Post spüren die Kunden in Kürze. Ab dem 1. April kann ein Kunde ein zwei bis fünf Zentimeter dickes Couvert nicht mehr als Brief versenden. Neu gilt die Sendung für Privatkunden als Paket und kostet damit künftig vier Franken mehr. Für Geschäftskunden hingegen gilt diese Änderung nicht. Dazu Post-Sprecher Masserini: «Die Kunden haben dieses Produkt fast nie nachgefragt, daher haben wir es aus dem Sortiment gestrichen.» Laut Masserini will sich die Post für die Zukunft rüsten. Der Postsprecher erwartet künftig kleinere Gewinne, auf die es sich einzustellen gelte.

Preissenkungen nur auf Druck

«Wir denken und handeln kundenorientiert», steht auf der Website der Post. Dies scheint aber hauptsächlich für Geschäftskunden zu gelten: Gestern kündigte die Post per 1. Juli zwar Preissenkungen an, doch damit hat die Post einzig dem Druck des Preisüberwachers nachgegeben. Ursprünglich plante die Post per 1. April 2009 die Tarife für Pakete und den internationalen Versand zur erhöhen. Diese Preisanpassung wird nun um ein Jahr verschoben.

(scc/sas)

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