«Mehr Lohn zu bezahlen, wäre für Firmen fatal»
Aktualisiert

«Mehr Lohn zu bezahlen, wäre für Firmen fatal»

Personalprofessor Norbert Thom* hält den Ruf der Gewerkschaften nach mehr Lohn für problematisch.

von
Szilvia Früh
Norbert Thom: «Prognosen zu machen, ist schwierig.»

Norbert Thom: «Prognosen zu machen, ist schwierig.»

Immer mehr Schweizer Firmen leiden unter dem starken Franken. Travail Suisse fordert trotzdem mehr Lohn. Ist das angebracht?

Norbert Thom: Der Ruf nach mehr Lohn wird wahrscheinlich wegen der horrenden Managerlöhne in bestimmten Firmen laut. Dass Gewerkschaften mit Forderungen antreten, ist legitim ...

... aber?

Die Wirtschaftslage ist momentan alles andere als rosig. Wenn gewissen Firmen noch mehr Kosten zugemutet werden, haben sie bald keine Erträge mehr.

Gibt es mehr Entlassungen?

Exportabhängige Firmen haben eine schwere Zeit hinter und vor sich. Müssten sie mehr Lohn bezahlen, wäre das für sie fatal. Importorientierten Firmen geht es gut – doch auch für sie ist es unmöglich, in die Zukunft zu sehen.

Was meinen Sie damit?

Wer hätte 2010 gedacht, dass wir ein wirtschaftliches Zwischenhoch erleben? Die heutige Wirtschaftswelt ist sehr unsicher. Wir können nicht genau abschätzen, was auf dem Markt passiert.

Was fordern Sie konkret?

Ich finde es problematisch, fixe, langfristige Lohnversprechungen für längere Zeiträume zu machen.

Wann werden die Schweizer wieder mehr Geld in der Lohntüte haben?

Solche Prognosen sind schwierig. Es müssen wegen der unsicheren Wirtschaftslage flexiblere Lösungen her. Einmalprämien oder Boni auch für normale Mitarbeitende beispielsweise.

Travail Suisse fordert auch eine Lohnerhöhung für Frauen. Zur falschen Zeit?

Sicher nicht optimal. Die ungerechte Lohnverteilung ist nichts Neues. Und es gibt verschiedene Gründe dafür. Das Problem müssen wir langfristig beseitigen. Dass Travail Suisse ausgerechnet jetzt damit kommt, ist seltsam.

*Norbert Thom ist Personalprofessor an der Uni Bern.

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