«Harry Potter and the Half-Blood Prince»: Mehr menschlich als magisch
Aktualisiert

«Harry Potter and the Half-Blood Prince»Mehr menschlich als magisch

Vor lauter «Brüno»-Bombardement ging fast unter, dass «Harry Potter and the Half-Blood Prince» der Blockbuster des Sommers werden sollte. Die hohen Erwartungen sind gerechtfertigt, denn die neueste Folge ist die bisher beste des Magie-Epos.

von
Oliver Baroni

Ein guter Film braucht ein paar Überraschungen. Doch bei einer Verfilmung eines Bestsellers sind Überraschungen dünn gesät - ein Problem, mit dem alle Potter-Filme zu kämpfen hatten (ausser vielleicht der Erstling «Harry Potter and the Philosopher's Stone», bei dem die Visualisierung von J.K. Rowlings Romanwelt an und für sich für genug Spannung sorgte).

Ohnehin ist die Komprimierung der detailreichen Potter-Romane problematisch. Nebenschauplätze, die normalerweise für eine Filmversion geopfert würden, entpuppen sich in späteren Romanen als vom Plot abhängige Schlüsselszenen für die Gesamt-Storyline, die sich über ganze sieben Bücher hinwegzieht. Als Resultat davon wirkten Potter-Filme oftmals wie rastlose Aneinanderreihungen einzelner Episödlein. Am evidentesten ist dies bei der letzten Folge (zu deren Verteidigung man anfügen muss, dass es sich hierbei um die Umsetzung von «The Order of the Phoenix» handelt, eines veritablen Wälzers mit 956 Seiten). Zu hastig erscheint einem der Film-Trip, zu schmerzlich die Auslassungen, wenn man die Romane kennt.

Rasende Hormone statt tobende Monster

«Harry Potter and the Half-Blood Prince» hat nun diese Problematik elegant gelöst, indem es sich nicht sklavisch an die Romanvorlage hält. Regisseur David Yates hat den Fokus auf rasende Teenie-Hormone gesetzt statt auf tobende Monster. Selten hat man bei einem Potter-Film so viele Lacher im Kinosaal gehört - dies weil die Komik mehr menschlich als magisch ist.

Dazu tragen die schauspielerischen Leistungen des gesamten Casts bei. Weiterhin begeistern gestandene Mimen wie der vielschichtige Alan Rickman als undurchsichtiger Professor Snape oder die schlicht umwerfende Helena Bonham Carter als bitterböse Bellatrix Lestrange. Doch gerade die Jungmannschaft hat seit dem acht Jahre zurückliegenden Erstling «Harry Potter and the Philosopher's Stone» erstaunlich zugelegt. Allen voran das Hauptdarsteller-Trio Daniel Radcliffe als Harry Potter, Emma Watson (Hermione Granger) und Rupert Grint (Ron Weasley), die ihre gut geschriebenen Rollen mit einer Sattelfestigkeit sondergleichen spielen.

Alle drei haben sich jene schwer definierbare Eigenschaft angeeignet, die im angelsächsischen Raum 'Star-Quality' genannt wird. Ein sonderbares Gut, das über reine schauspielerische Leistung hinausgeht und vereinfacht bedeutet, dass man ihnen auf der Leinwand gerne zusieht. Dabei kommt ihnen die gemäldeartige Bildkomposition von Kameramann Bruno Delbonnel zugute, die der Gravitas der Story-Entwicklung, die ja zugunsten des Filmflusses etwas in den Hintergrund gerät, zumindest optisch die nötige Dramatik verleiht.

Liebe ist Magie

Angesichts solcher Superlative muss man hier zwingend dafür plädieren, den neusten Potter im Originalton anzusehen – Familienfilm hin oder her. Nebst den üblichen Nachteilen einer synchronisierten Fassung – wie Übersetzungsschwächen, bei denen etliche Pointen flöten gehen, und einem matteren Gesamt-Soundtrack – ist es in diesem Fall doch angesichts solch guter Schauspieler jammerschade, auf deren Stimmklang verzichten zu müssen: Der leise, kontrollierte eines Professor Snapes etwa; der ruhige, verstohlen erotische einer Ginny Weasley (gespielt von Bonnie Wright), die im Vorbeigehen Harry Potter klarmacht, das zwischen ihnen die grosse Liebe entsteht.

Wohl deshalb funktioniert bei «Harry Potter and the Half-Blood Prince» die Hervorhebung des Menschlichen gegenüber dem Magischen so gut: Weil Liebe die grösste Magie von allen ist.

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«Harry Potter and the Half-Blood Prince» startet am 16. Juli 2009 in den Kinos der Schweiz.

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