Vergiftetes Arbeitsklima: Mehr Mobbingfälle unter verunsicherten Bankern
Aktualisiert

Vergiftetes ArbeitsklimaMehr Mobbingfälle unter verunsicherten Bankern

Die globale Finanzkrise vergiftet in den Banken das Arbeitsklima: Die Zahl der Mobbingfälle nimmt dramatisch zu und Stress-Seminare boomen.

von
Reza Rafi

Stets galten Banker als stolze Speerspitze des Kapitalismus. Doch seit der Finanzmarkt auf staatliche Hilfe angewiesen ist, beginnt das Ansehen des diskreten Berufsstandes zu bröckeln – auch in der Schweiz. Die Angst um den Arbeitsplatz ist auch in den Büros der hiesigen Geldinstitute das Hauptthema. Stress-Seminare werden überrannt, Personalberatungen werden laut Experten beansprucht wie nie zuvor. «Die Anfragen haben innert kurzer Zeit stark zugenommen», bestätigt Andrea Zilio, die in Zürich Stressmanagement-Seminare anbietet.

«Die Angestellten sind emotionaler geworden und sehr verunsichert», sagt Albert Hiltebrand. Er leitet die Winterthurer Gemeinschafts­praxis OWI, die Beratungen im Personalbereich anbietet. Er stellt auch deutlich mehr Anfragen zum Thema Mobbing fest: «Ich kriege derzeit täglich Anrufe.» Die ­Ellbogen würden in der Finanzwelt vermehrt ausgefahren. «Aus Existenzangst verhalten sich viele Mitarbeiter im Büro eigennützig auf Kosten des Nachbarn, was zu Konflikten und Stress führt.»

Georg Bauer von der Beratungsstelle für Gesundheitsmanagement der Uni und ETH Zürich rät den Fi­nanzunternehmen, mit der Belegschaft enger in Kontakt zu treten und psychologische Beratungen anzubieten.

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