Aktualisiert 16.02.2005 17:10

Mehr Passagierrechte in der EU

Ab morgen erhalten Flugpassagiere bei grossen Verspätungen und Flugausfällen Entschädigung - allerdings nur in der EU, nicht in der Schweiz, wo weiterhin auf Kulanz vertraut werden muss.

Hier bleiben die Kunden vom Wohlwollen der Fluggesellschaften abhängig.

Gemäss Schätzungen werden in Europa jedes Jahr 250 000 Fluggäste nicht befördert, obgleich sie ein gültiges Ticket haben. Mit dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften sind Rückerstattung und Entschädigung in der EU nun klar geregelt.

Ist ein Flug überbucht oder wird er kurzfristig annulliert, erhalten beispielsweise die Passagiere von Langstreckenflügen 600 Euro (über 900 Franken) Entschädigung.

EU-weit gilt die Regelung für Linienflüge wie auch für Charter- und Inlandflüge. Zudem können die Passagiere die Rechte auch geltend machen, wenn sie mit einer EU-Fluggesellschaft von irgendwo auf der Welt ein Ziel innerhalb der EU anfliegen.

Schweizer Gesetzgeber wartet ab

Die Schweiz allerdings wird dir Regelung vorläufig nicht übernehmen. Man warte den Entscheid des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) in Luxemburg ab, erklärte Célestine Perissinotto, Sprecherin des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL), auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Der internationale Airline-Dachverband IATA hatte gegen die EU- Regelung geklagt, weil er die Fluggesellschaften gegenüber anderen Verkehrsmittel benachteiligt sieht. Der materielle Entscheid des Gericht steht noch aus, eine aufschiebende Wirkung gewährte der EuGH jedoch nicht.

Auch das Drängen der EU-Kommission im Gemischten Ausschuss zum Luftverkehrsabkommen konnte die Schweiz nicht zu einem Einlenken bewegen. Das Thema sei beim Treffen vergangenen Dezember diskutiert worden, erklärte Perissinotto, die EU habe kein Hehl daraus gemacht, dass sie im Abwarten der Gesetzgeber einen Wettbewerbsvorteil der Schweiz sieht.

Niedrigere oder keine Entschädigungen

Vorläufig bleiben Passagiere in der Schweiz auf das Wohlwollen der Airlines angewiesen. Die Swiss beispielsweise wendet die EU- Bestimmungen bei allen Flügen aus der EU in die Schweiz an (nicht aber umgekehrt), wie Swiss-Sprecher Dominik Werner auf Anfrage sagte. Sonst gelten die bisherigen, etwa halb so hohen Entschädigungen.

Bei den Billigairlines lohnt sich ein Blick in die Beförderungs- und Geschäftsbedingungen. Denn nicht überall sind finanzielle Entschädigungen vorgesehen.

(sda)

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