Sonne immer noch zu: Mehr Prostituierte suchen Freier auf der Strasse
Publiziert

Sonne immer noch zuMehr Prostituierte suchen Freier auf der Strasse

Im Züricher Kreis 4 werben wieder vermehrt Prostituierte auf der Strasse um Freier – obwohl dies nicht erlaubt ist. Grund dafür ist das seit Juli geschlossene Milieulokal Sonne.

von
20M
1 / 4
Das Restaurant Sonne im Zürcher Rotlichtmilieu ist seit dem 10. Juli 2015 geschlossen.

Das Restaurant Sonne im Zürcher Rotlichtmilieu ist seit dem 10. Juli 2015 geschlossen.

20 Minuten/Marco Lüssi
Wer das Lokal  betreten wollte, stand vor verschlossenen Türen.

Wer das Lokal betreten wollte, stand vor verschlossenen Türen.

20 Minuten/Marco Lüssi
Über die Gründe wird auch an der Eingangstür nicht informiert - der weisse Zettel am linken Türflügel war schon vorher da: «Tür freilassen», steht dort.  Das Plakat rechts zeigt, dass bis am 15. Juli die Live-Band «Starbeats» im Lokal hätte auftreten sollen.

Über die Gründe wird auch an der Eingangstür nicht informiert - der weisse Zettel am linken Türflügel war schon vorher da: «Tür freilassen», steht dort. Das Plakat rechts zeigt, dass bis am 15. Juli die Live-Band «Starbeats» im Lokal hätte auftreten sollen.

20 Minuten/Marco Lüssi

«Kommst du mit, Schatzi?», fragt eine Prostituierte im Kreis 4 an der Ecke Lang-/Brauerstrasse einen potenziellen Freier. Dieser schüttelt den Kopf und geht weiter. Solche Szenen spielen sich laut «Tages-Anzeiger» rund um die Langstrasse wieder vermehrt ab, obschon Strassenprostitution hier nicht erlaubt ist.

Das liegt am seit Juli geschlossenen Milieu-Lokal Sonne. «Es hat insgesamt nicht mehr Prostituierte im Langstrassenquartier als vorher. Seit dem Ende der Sonne bewegen sie sich allerdings auf der Strasse und sind daher besser sichtbar», lässt sich ein Szenekenner zitieren. Es seien dadurch auch viel weniger Freier unterwegs.

«Durchaus Auswirkungen» stellt auch die städtische Frauenberatung Flora Dora fest. Den Frauen fehle nun ein wichtiger Ort, um in einem legalen Rahmen arbeiten zu können. Ausweichen auf den Strichplatz würden die wenigsten.

«Kein Bedarf für zusätzliche Kontrollen»

Laut Stadtpolizei-Sprecher Marco Bisa hat man nach der Schliessung der Sonne vermehrt Patrouillen losgeschickt, und es wurden etwas mehr Frauen wegen verbotener Prostitution verzeigt. Die Situation habe sich aber beruhigt und bewege sich auf einem quartierverträglichen Niveau. Bisa: «Wir sehen zurzeit keinen Bedarf für zusätzliche Kontrollen.»

Damit die Strassenprostitution zumindest auf einzelnen Abschnitten der Langstrasse oder allenfalls in Seitenstrassen möglich wäre, haben zwei SP-Gemeinderätinnen einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Sie fordern vom Stadtrat eine Lockerung. Könnten die Sexarbeiterinnen legal arbeiten, würden sie aus der Illegalität geholt, heisst es in der Begründung.

Deine Meinung