24.11.2015 08:50

JugendstudieMehr Sexualdelikte bei Schweizer Jugendlichen

Die zweite grosse Studie über Gewalterfahrung Schweizer Jugendlicher aus dem Kanton Waadt enthält gute Neuigkeiten – aber leider nicht nur.

von
gbr
Laut der Lausanner Jugend-Gewalterfahrungsstudie erleben über zehn Prozent der jungen Mädchen sexuelle Gewalt in Beziehungen. (Symbolbild)

Laut der Lausanner Jugend-Gewalterfahrungsstudie erleben über zehn Prozent der jungen Mädchen sexuelle Gewalt in Beziehungen. (Symbolbild)

2600 Schülerinnen und Schüler wurden für die Lausanner Studie zur Jugenddelinquenz befragt. Erfreuliche Bilanz: Die Zahl der Gewalt- und Drogendelikte ist bei Jugendlichen im Kanton im Vergleich zu einer vor 10 Jahren durchgeführten Befragung stark gesunken. Die Forscher erklären sich den Rückgang der Delikte (Körperverletzung, Erpressung, Raub und Drogenkonsum) unter anderem mit dem veränderten Freizeitverhalten: Jugendliche verliessen das Haus seltener als noch vor zehn Jahren, träfen sich, wenn überhaupt, in den eigenen vier Wänden statt im Club oder draussen.

Doch es gibt auch besorgniserregende Befunde. Die Zahl der sexuellen Belästigungen blieb stabil – und die sexuelle Gewalt hat laut der Studie gar leicht zugenommen. Sie untersuchte insbesondere die sexuelle Gewalt in Beziehungen der Jugendlichen. 38,6 Prozent sind oder waren schon in einer Beziehung – von ihnen gaben 5,2 Prozent der Knaben an, sexuelle Gewalt von ihren Partnern erfahren zu haben – und ganze 13,3 Prozent der Mädchen. Das bestätigt den alarmierenden Befund der Parallelstudie der ETH Zürich, die festhielt, die sexuelle Gewalt weise «im langfristigen Vergleich mit anderen Formen der Jugendgewalt den ungünstigsten Verlauf auf.»

«Täter sind vermehrt im jugendlichen Alter»

Der Rückgang der Gewalt- und Drogendelikte schlägt sich in den kantonalen Verbrechensstatistiken nieder. Laut Informationen von 20 Minuten wird die Jugendkriminalitätsrate bei gleichbleibendem Verlauf im Kanton Zürich 2015 zum siebten Mal in Folge sinken. Doch bei Beratungsstellen für Opfer sexueller Gewalt nimmt die Arbeit nicht ab.

«Das Bild der Opfer hat sich verändert», sagt Regula Schwager von Castagna, der Beratungs- und Informationsstelle für Kinder, weibliche Jugendliche und in der Kindheit ausgebeutete Frauen: «Die Täter sind vermehrt im jugendlichen Alter – mittlerweile ist das in 25 Prozent der Fälle so, mit denen wir zu tun haben. Auch betreuen wir anteilsmässig mehr jugendliche Opfer als noch vor zehn Jahren.» Die Tatsache, dass in der Waadtländer Studie 13,3 Prozent der jungen Frauen in Beziehungen angeben, sexuelle Gewalt erlebt zu haben, quittiert Schwager mit Schweigen. Dann sagt sie: «Da kann man nicht viel dazu sagen. Ausser: Es ist gut, dass das endlich klar und deutlich aufs Tapet kommt.»

Regula Schwager ist Psychotherapeutin und Co-Leiterin der Beratungsstelle für sexuell ausgebeutete Kinder und Jugendliche Castagna.

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