Mehr Spielsüchtige in der Schweiz
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Mehr Spielsüchtige in der Schweiz

Zwischen 35 000 und 48 000 Menschen in der Schweiz haben ein Glücksspiel-Suchtproblem. Der Schutz müsse und könne noch verbessert werden, heisst es in einem Bericht, der am Freitag im Bundeshaus veröffentlicht wurde.

Mit 19 Spielbanken weist die Schweiz die grösste Casino-Dichte der Welt auf. Daneben locken über 9000 Geldspielautomaten sowie Lotterien und Wetten mit dem schnellen Geld. Als das Spielbankenverbot aufgehoben wurde und 2002 die ersten Casinos das Grand Jeu anboten, befürchteten viele eine Zunahme der Spielsucht.

Um sich ein Bild zu machen, gaben die Eidgenössische Spielbankenkommission und das Bundesamt für Justiz beim Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) eine Studie in Auftrag. Der nun publizierte Bericht stützt sich auf ältere und neuere Zahlen sowie auf die Befragung von Spielenden, Beratern und Experten.

Vor allem die Automaten

Aus den verschiedenen Quellen schliessen die Autoren, dass zwischen 35 500 und 48 000 Personen ein Glücksspiel-Suchtproblem haben dürften. 1000 bis 1500 waren 2003 deswegen in einer Beratung oder Behandlung. 102 wurden wegen schwerer Spielsucht behandelt, wobei es allerdings überwiegend um eine Nebendiagnose ging.

Süchtig machen können vor allem die Geldspielautomaten. Ihnen frönten 81 Prozent derer, die sich wegen Spielsucht beraten liessen. 53 Prozent spielten ausschliesslich an Automaten, 11 Prozent auch am Spieltisch. Die reinen Spieltisch-Spieler machten nur 7 Prozent aus.

Hauptproblem Verschuldung

Eine Folge der Spielsucht ist fast immer massive Verschuldung. 92 Prozent der beratenen Spieler sind verschuldet. 54 Prozent verloren beim Glücksspiel im Schnitt pro Monat mehr als die Hälfte ihres Einkommens, rund 20 Prozent das ganze Einkommen oder mehr. Weitere Folgen sind familiäre Probleme, Arbeitslosigkeit, Depressionen und Suizidialität.

Die Glücksspielsucht verursacht mit jährlich 92,6 Millionen Franken (2002) für ausstehende Schulden, Arbeitslosigkeit, Behandlung und Gerichtsfälle weitaus den grössten Teil der quantifizierbaren gesamtwirtschaftlichen Kosten von knapp 100 Millionen. Viele soziale Kosten lassen sich aber gar nicht bewerten.

Auf dem ersten Blick scheint der gesamtwirtschaftliche Nutzen des Glückspielangebots deshalb klar zu überwiegen. Er wird auf jährlich gut 700 Millionen veranschlagt - insbesondere in Form von Lotterieerträgen für gemeinnützige Zwecke, der Spielbankenabgabe zugunsten der AHV und von Steuern.

Rund 10 000 mit Zutrittsverbot

Die öffentliche Hand dürfe nicht in die Rolle der «Suchtproduzentin» geraten, heisst es in der Studie. Die Massnahmen des Bundes gegen die Glücksspielsucht werden insgesamt positiv beurteilt.

Ein effektives Instrument seien die Spielsperren der Casinos. Ende 2003 waren knapp 7000 Spieler gesperrt, Ende 2004 dürften es laut Spielbankenkommission 10 000 sein. Einen Nachteil sehen die Experten darin, dass in andere Spiele oder ins Ausland ausgewichen werden kann. Zu prüfen seien eine differenzierte Besuchslimitierung und eine europaweite Sperrung.

Als sinnvoll erachten die Experten die obligatorischen Sozialkonzepte der Casinos. Vor allem die Schulung des Personals müsse aber noch verbessert werden. Die Casinodichte sei noch zu gross. Gute Sozialkonzepte könnten sich nur wirtschaftlich rentierende Spielbanken leisten.

Prävention verbessern

Begrüsst wird, dass auf den 1. April 2005 die herkömmlichen Geldspielautomaten aus Bars und Spielsalons verschwinden müssen. Es drohe allerdings der Ersatz durch ähnliche Geschicklichkeits- und Loterieapparate mit vergleichbarem Suchtpotenzial.

Kritisiert wird auch, dass das Lotteriegesetz im Gegensatz zum Spielbankengesetz keine Spielsuchtprävention vorsieht. Generell sprechen sich die Experten dafür aus, die Prävention zu verbessern und vorab an die Jungen beim Übergang ins Erwachsenenalter zu richten. Auch brauche es Konzepte, um den Spielern das kontrollierte Glücksspiel (»responsible gambling») beizubringen. (dapd)

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