Mehr Suizide im Kanton Zürich

Aktualisiert

Mehr Suizide im Kanton Zürich

Traurige Bilanz: Die Anzahl der Selbstmorde und Suizidversuche hat im Kanton Zürich stark zugenommen. Die Polizei rückt im Durchschnitt täglich zweimal aus – häufig kommt jede Hilfe zu spät.

«Diese Entwicklung macht uns grosse Sorgen», sagt Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. 640-mal mussten die Beamten von Stadt und Kanton im vergangenen Jahr wegen Selbstmordversuchen ausrücken. Die tragischen Einsätze haben im Vergleich zum Vorjahr um 132 (23,6 Prozent) zugenommen. In 427 Fällen kam jede Hilfe zu spät, was einer Zunahme von 19 Prozent entspricht.

Bei den versuchten Suiziden registrierten die Polizeien eine Zunahme um 33 Prozent. Cortesi: «Man muss allerdings berücksichtigen, dass der Sterbetourismus in Zürich stark zugenommen hat.»

Bei den Suizid-Fachstellen hat man keine direkte Erklärung für die Zunahme. Christoph Lauber, leitender Arzt der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, weiss aber: «Die Dunkelziffer bei Suizidversuchen ist noch beträchtlich höher.» Im Kriseninterventionszentrum behandeln er und sein Team jährlich 800 Patienten stationär und 1500 ambulant. «55 Prozent davon haben Selbstmordgedanken», sagt Lauber.

Eine Zunahme von Hilfesuchenden im Vergleich zu 2004 habe er im vergangenen Jahr aber kaum gespürt. Die Zahlen der Stadtpolizei empfinde er aber als alarmierend.

Alexandra Roder

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