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US-StudieMehr Suizide nach Start von «13 Reasons Why»

Eine neue Studie besagt, dass die Suizidrate unter US-Jugendlichen in den Monaten nach dem Release der Netflix-Serie stark angestiegen ist. Ob ein Zusammenhang besteht, ist unklar.

von
shy

Zusammenfassung zur ersten Staffel von «13 Reasons Why», um die sich die neue Studie dreht. <i>(Video: Netflix)</i>

Nach dem Release der ersten Staffel der Netflix-Serie «13 Reasons Why» ist einer Studie zufolge die Zahl der Suizide unter Teenagern in den USA gestiegen.

Die in der Fachzeitschrift «Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry» veröffentlichte Abhandlung beziffert den Anstieg der Fälle auf 195.

«Signifikanter» Anstieg im ersten Monat

Der Untersuchung zufolge gab es in den neun Monaten nach Beginn der Serie am 31. März 2017 demnach 195 zusätzliche Suizidfälle in der Altersgruppe zwischen zehn und 17 Jahren. Das ist ein Anstieg von fast 29 Prozent. Betroffen waren dabei vor allem Jungen.

Speziell im ersten Monat, nachdem die Serie veröffentlicht worden war, habe es einen «signifikanten» Anstieg gegeben, hiess es weiter.

Vorwürfe gegen den Streamingdienst

Der Hauptautor der Studie warf Netflix vor, den Suizid der Hauptfigur Hannah (Katherine Langford) absichtlich besonders dramatisch inszeniert zu haben.

Der Streamingdienst habe die Leitlinien zur angemessenen Darstellung des Themas missachtet, sagte der Epidemiologe Jeffrey Bridge. Das könne traumatisch sein für Menschen, die bereits einen Suizidversuch hinter sich hätten, und ebne «in manchen Fällen den Weg zum Suizid», erklärte er weiter.

Netflix wertet Forschungsergebnisse aus

Ob die Serie den Anstieg tatsächlich verursacht hat oder weitere Faktoren eine Rolle spielten, ergab die Studie nicht. Eine andere Studie hatte zuvor bereits gezeigt, dass in den Tagen, nachdem die Serie angelaufen war, die Zahl der Internetsuchen zum Thema Suizid um 19 Prozent angestiegen war.

Netflix erklärte, man habe «hart daran gearbeitet», das Thema Suizid «verantwortungsvoll» darzustellen. Derzeit würden die Forschungsergebnisse ausgewertet.

Studie widerspricht Studie

Ausserdem würde diese neue Studie einer anderen widersprechen, die nur wenige Tage zuvor publiziert wurde und besagt, dass die Serie (respektive deren zweite Season) zwar Gefahren für suizidgefährdete Personen berge, ihnen aber auch in ihrer Situation helfen könne.

Netflix hat bereits eine dritte Staffel von «13 Reasons Why» in Auftrag gegeben. (shy/afp)

Suizidgedanken? Hier findest du Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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