Mehr Tote, mehr Ausweise weg - kommt 0,0 Promille?
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Mehr Tote, mehr Ausweise weg - kommt 0,0 Promille?

Der positive Effekt der 0,5-Promille-Grenze scheint verpufft: Die Zahl der Verkehrstoten ist 2007 deutlich gestiegen. Ausserdem mussten 19 133 Blaufahrer den Ausweis abgeben – so viele wie noch nie. Experten fordern dringend Null-Promille für Neulenker.

Die Zahl der Verkehrstoten in der Schweiz ist seit 2003 kontinuierlich gesunken. Dafür wurde auch die Senkung der Promille-Grenze von 0,8 auf 0,5 im Jahr 2005 verantwortlich gemacht. Experten warnten jedoch damals, der Effekt könne von kurzer Dauer sein. Das scheint sich nun zu bewahrheiten. Die Zeitung «Sonntag» hat die bisher vorliegenden Zahlen aus 18 der 26 Kantone ausgewertet. Das erschreckende Fazit: in diesen Kantonen ist die Zahl der Verkehrstoten von 166 im Jahr 2006 auf 197 im letzten Jahr gestiegen – eine Zunahme von 18 Prozent.

Besonders markant ist der Anstieg gemäss «Sonntag» in der Romandie und in der Zentralschweiz. Im Kanton Neuenburg etwa verdoppelte sich die Zahl der Toten von 6 auf 12, in den Zentralschweizer Kantonen Zug, Luzern, Obwalden, Nidwalden, Schwyz und Uri stieg die Zahl von 37 auf 48.

Mehr junge Männer betrunken

Für Roland Wiederkehr, Präsident der Strassenopferstiftung Roadcross, ist die Zunahme darin begründet, dass vor allem junge Männer wieder vermehrt betrunken und zu schnell fahren, sagte er gegenüber «Sonntag». Erhärtet wird diese Vermutung durch eine bisher unveröffentlichte Statistik des Bundesamts für Strassen, die von der «SonntagsZeitung» veröffentlicht wurde. Demnach mussten im letzten Jahr 19 133 Blaufahrer den Ausweis abgeben. Das sind fast drei Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie zuvor.

Verantwortlich für den unrühmlichen Rekord sind die 18- bis 24-Jährigen. In dieser Altersgruppe haben die Verurteilungen wegen Trunkenheit am Steuer in den letzten zehn Jahren um 41 Prozent zugenommen. Bei Schweizern hat sich die Zahl verdoppelt, bei Ausländern sogar verdreifacht. Auch bei schweren Alkoholunfällen sind die Jungen überdurchschnittlich vertreten.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) fordert Massnahmen: «Es braucht ein Alkoholverbot für Neulenker und die bessere Kontrolle des Alkoholmarktes im Sinne des Jugendschutzes», sagte Forschungsleiter Stefan Siegrist der «SonntagsZeitung».

Mehr Lenker ohne Ausweis unterwegs

Ein weiterer Trend, der zum düsteren Bild passt: Auch die Zahl der Fahrerfluchten nach Verkehrsunfällen steigt. Im Kanton Bern hat sie sich nach Angaben von «Sonntag» von 447 im Jahr 2000 auf 883 im Jahr 2007 verdoppelt. Was gemäss Roland Wiederkehr auch daran liegt, dass die Zahl der Fahrzeuglenker ohne Führerausweis steige: «Die Politik muss sich dieses Problems annehmen.»

(pbl)

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