Aktualisiert 19.05.2007 14:47

Mehr Transparenz bei Hedgefonds

Die G-8-Staaten wollen die Risiken bei hochspekulativen Anlagegeschäften so genannter Hedgefonds eindämmen.

Die G-8-Finanzminister plädierten am Samstag in der Abschlusserklärung des Treffens in Werder bei Potsdam für «anspruchsvolle Standards», auf die die Branche sich selbst verständigen soll. «Wir brauchen mehr Transparenz zwischen Hedgefonds und Kreditoren», sagte Steinbrück.

Ausserdem wurde ein Aktionsplan für Afrika verabschiedet, der die Länder vor einer neuen Schuldenkrise bewahren soll. Dabei geht es um mehr Transparenz bei Einnahmen aus Rohstoffen, damit diese nicht in «Nebenhaushalten» verschwinden. Die G-8-Länder ermahnten China zu einem verantwortungsvollen Umgang bei der Kreditvergabe. China gewährt vielen afrikanischen Ländern hohe Kredite, ohne diese aber an international gültige Bedingungen guter Regierungsführung zu knüpfen. Erstmals waren auch fünf afrikanische Finanzminister zu Beratungen der G-8 geladen.

Zu den Hedgefonds erklärte Steinbrück, mit einem Verhaltenskodex werde deren Glaubwürdigkeit gestärkt. Derzeit sei es beispielsweise Banken nicht möglich, eine Risikoanalyse zu erstellen. Ein Verhaltenskodex sei nicht gleichbedeutend mit staatlicher Regulierung, betonte der Minister. «Die Branche soll selbst einen code of conduct implementieren und überwachen», sagte er.

Mit der Vereinbarung sollen Krisen auf den Finanzmärkten verhindert werden. Steinbrück hofft noch in diesem Jahr oder Anfang 2008 zu solchen verbindlichen Leitlinien zu kommen. Die deutsche G-8-Präsidentschaft hatte diese Debatte im Februar angestossen.

Besorgt zeigten sich die Finanzminister über die Schuldenlast einiger afrikanischer Länder. «Jetzt kommt es darauf an, die Spiralbewegung nicht wieder in Gang zu setzen», mahnte Steinbrück. Die Verantwortung dafür liege auch bei den kreditgebenden Ländern. Gleichzeitig machte Steinbrück aber deutlich, «dass wir nicht vorankommen, wenn einige nicht am Tisch sitzen». Das Thema soll deshalb im Rahmen der G-20 angesprochen werden. An den Beratungen nimmt auch China teil.

Steinbrück für Erhöhung von Entwicklungsetat

Steinbrück sprach sich zugleich für eine Erhöhung des Entwicklungsetats aus, ohne sich jedoch auf Zahlen festzulegen. Er verwies dabei auf die mittelfristige Finanzplanung bis 2011, die im Juni im Kabinett verabschiedet werde. «Die ODA-Quote muss erhöht werden», betonte Steinbrück. Derzeit liegen die deutschen Aufwendungen für Entwicklungszusammenarbeit bei 0,36 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Einen besonderen Stellenwert räumten die Finanzminister auch den nationalen Anleihemärkten ein, die vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern gestärkt werden sollen. Damit werden die nationalen Finanzmärkte unabhängiger von Auslandsgeldern und stabiler gemacht.

Nach dem Rücktritt von Paul Wolfowitz nahm kein Vertreter der Weltbank an den Beratungen in Werder teil. Auch US-Finanzminister Henry Paulson, der sich nach eigener Aussage auf den US-chinesischen Wirtschaftsdialog in der kommenden Woche vorbereiten will, hatte dem G-8-Treffen eine Absage erteilt. Er liess sich durch Staatssekretär Robert Kimmitt vertreten. Paulsons Verhältnis zu Steinbrück gilt als angespannt.

(dapd)

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