Angriff auf Medienfreiheit - Wird Gewalt gegen Journalisten in der Schweiz salonfähig?
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Angriff auf MedienfreiheitWird Gewalt gegen Journalisten in der Schweiz salonfähig?

Ein 20-Minuten-Journalist wurde an der FCL-Cupfeier auf einem öffentlichen Platz angegriffen. Seit der Pandemie nehmen Attacken gegen Medienschaffende zu.

von
Céline Krapf

In diesem Video ist zu sehen, wie die Fans zuerst im Vögeligärtli in Luzern feierten. Dort waren 800 Fans anwesend.

20m

Darum gehts

  • 10’000 FCL-Fans haben den Cupsieg auf der Allmend in Luzern am Montagabend gefeiert. Die Fans reagierten aggressiv auf Medienvertreter, griffen einen 20-Minuten-Redaktor gar tätlich an.

  • Angriffe gegenüber Medienschaffenden verschiedener Medienhäuser nehmen laut der Organisation Reporter ohne Grenzen Schweiz zu.

Nach dem Sieg des FCL vom Montagabend versammelten sich hunderte Fans in einem öffentlichen Park in der Luzerner Innenstadt. Als zwei 20-Minuten-Redaktoren die Videoausrüstung auspackten, wurden sie von einem Fan mit einer Bierdose beworfen und aufgefordert, sich zu verziehen. «Lügenpresse»-Rufe folgten. Minuten später rissen junge Männer das Redaktionshandy vom Stativ und warfen es zu Boden. Ein Journalist wurde angerempelt und getreten.

Angriffe gegenüber Medienschaffenden verschiedener Medienhäuser nehmen laut der Organisation Reporter ohne Grenzen Schweiz zu. «Sie erleben vermehrt Aggressionen und physische Übergriffe», sagt Sprecherin Bettina Büsser. Die Bandbreite reiche von anonymen Briefen, über Drohungen auf Social Media bis hin zu körperlichen Angriffen. Beleidigungen, Rempeleien und andere physische Übergriffe kämen vor allem bei Demonstrationen oder Fanmärschen vor.

Ein Grund für diese Entwicklung sei die Pandemie: «Medien wird vorgeworfen, Teil von Verschwörungen und Kampagnen zu sein», sagt Büsser. Zur medienfeindlichen Stimmung würden auch Politikerinnen und Politiker beitragen, die Medien beschuldigen, Fake News zu verbreiten. «Solche Aussagen schaffen eine Grundlage für ein medienfeindliches Klima – und damit auch für Angriffe gegen Medienschaffende.»

Die Pandemie hat die Stimmung nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich und vor allem in Deutschland aufgeheizt. «Aufgrund der vielen Übergriffe auf Corona-Demonstrationen mussten wir die Lage der Pressefreiheit in Deutschland von 'gut' auf nur noch 'zufriedenstellend' herabstufen», sagt Vorstandssprecher Michael Rediske in einer Erklärung. Diese negative Entwicklung bestätigt auch die Studie «Feindbild Journalist» des European Centre for Press Freedom. Die Medienschaffenden fordern jetzt Bund und Länder auf, sich besser für den Schutz der Presse einzusetzen.

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