Manipulierte US-Wahlen?: «Mehrere 100'000 Verschwörer wären nötig»
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Manipulierte US-Wahlen?«Mehrere 100'000 Verschwörer wären nötig»

Das US-Justizministerium und das FBI haben wegen Sicherheitsbedenken rund um die Wahlen im November ein detailliertes Konzept vorgestellt.

von
gux
«Um die Wahlergebnisse zu manipulieren, bräuchte es eine Verschwörung hundterttausender Menschen, die direkten Zugang zu den Geräten im ganzen Land hätten», sagt E-Voting-Experte David Becker.

«Um die Wahlergebnisse zu manipulieren, bräuchte es eine Verschwörung hundterttausender Menschen, die direkten Zugang zu den Geräten im ganzen Land hätten», sagt E-Voting-Experte David Becker.

AFP/Andrew Caballero-reynolds

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat wiederholt davor gewarnt, dass die Wahl «manipuliert» sein könnte. Beweise legte er nicht vor.

Am Wahltag am 8. November werden Beamte auf Berichte über mögliche Unregelmässigkeiten reagieren, wie die Behörden jetzt mitgeteilt haben. Zudem werden Beobachter an ausgewählten Wahllokalen sowie Anwälte und Agenten Beschwerden über mögliche Einschüchterung von Wählern, Betrug oder andere Probleme entgegennehmen. Darüber hinaus prüft eine zentrale Stelle im FBI-Hauptquartier spezifische Bedrohungslagen, die aus dem ganzen Land gemeldet würden.

Das Justizministerium greift bei Wahlen zwar routinemässig auf Anwälte, Ermittler und anderes Personal zurück. Doch in diesem Jahr steht die Fairness des Wahlprozederes besonders im Fokus.

Fast 10'000 unterschiedliche Wahlbehörden in den USA

US-Geheimdienstbeamte teilten unlängst mit, dass Russland offenbar versuche, über Hackerangriffe Einfluss auf den Wahlprozess zu nehmen.

Experten für E-Voting-Systeme bezeichnen die Angst vor elektronisch manipulierten Wahlen als übertrieben und auf Unwissen beruhend. «Bei privaten und Firmenservern müssen Eindringlinge nur einen einzigen Angriffspunkt überwinden. Die Wahlcomputer in den USA funktionieren hingegen dezentral, sie sind nicht vernetzt und nicht mit dem Internet verbunden», sagte David Becker vom Washingtoner Zentrum für Wahlinnovation und Wahlforschung zur «Deutschen Welle».

Es gebe fast 10'000 unterschiedliche Wahlbehörden in den USA und landesweit Dutzende unterschiedliche Wahlgeräte, was es für Hacker zusätzlich schwierig mache – und dazu kommt auch noch die Tatsache, dass rund 80 Prozent der US-Bürger ihren Wahlzettel in eine Urne werfen, statt die elektronischen Wahlautomaten zu nutzen. «Um also die Wahlergebnisse zu manipulieren, wären hunderttausende Verschwörer nötig, die direkten Zugang zu den Geräten im ganzen Land hätten», so Becker.

«Durcheinander provozieren und Vertrauen zerstören»

Anders sieht es bei der Registrierung der Wähler aus. Da diese Technologie eine Schnittstelle zum Internet hat, lässt sich hier leichter einbrechen. Solche Systeme sind bereits früher gehackt worden – wenngleich eher aus kriminellen als aus politischen Motiven: Die Hacker wollen an grosse Mengen persönliche Daten herankommen. Als Reaktion auf die Cyberattacke gegen die Demokraten wurde die Technologie bei diesen Systemen jetzt vielerorts verstärkt.

«Die Technologie vieler Wahlgeräte kann modernisiert werden», sagt Becker, aber grundsätzlich sei sie immer noch «gut genug, dass wir damit sichere, gültige Wahlen durchführen können».

Wie andere Experten sorgt sich Becker weniger um Hackerangriffe oder ein Versagen des elektronischen Wahlsystems. Die Folgen der aktuellen Sicherheitsdebatte, die Donald Trump mit seinen Manipulations-Anschuldigungen anstiess, beschäftigen ihn dagegen stark. «Diejenigen, die solche Vorwürfe machen, wollen nicht etwa mehr Sicherheit in den Wahlvorgang bringen, sondern eher ein Durcheinander provozieren und Vertrauen zerstören, so dass die Leute nicht wählen gehen.»

(gux/sda)

Weniger und doch mehr Wahlbeobachter

Das US-Justizministerium wies darauf hin, dass es weniger Wahlbeobachter entsenden würde als vor vier Jahren. Hintergrund ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von 2013, das einen zentralen Bestandteil des US-Wahlgesetzes kippte. Gleichzeitig hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nach einer offiziellen Einladung durch die US-Regierung geplant, 100 Langzeitbeobachter und erstmals auch 400 Kurzzeitbeobachter in die USA zu schicken, welche die eigentliche Stimmabgabe und Auszählung in den Wahllokalen am Wahltag überwachen. Vor vier Jahren hatte die OSZE lediglich 44 Langzeitbeobachter sowie ein 13-köpfiges Kern-Team in die USA geschickt.

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