Heftiges Gewitter: Mehrere Bahnlinien und Strassen gesperrt
Aktualisiert

Heftiges GewitterMehrere Bahnlinien und Strassen gesperrt

Das Unwetter von Sonntagabend traf die Ostschweiz besonders hart. Die A1 bei Wil ist zwar wieder offen – doch die Wetterlage bleibt prekär.

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chk/jeh/dia
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Mehrere Bahnstrecken, vor allem in der Ostschweiz, sind derzeit unterbrochen.

Mehrere Bahnstrecken, vor allem in der Ostschweiz, sind derzeit unterbrochen.

Die Gemeinde Kradolf im Kanton Thurgau ist von den Fluten besonders stark betroffen. Für diese vier Autos kam jede Hilfe zu spät, sie wurden weggeschwemmt.

Die Gemeinde Kradolf im Kanton Thurgau ist von den Fluten besonders stark betroffen. Für diese vier Autos kam jede Hilfe zu spät, sie wurden weggeschwemmt.

Leser-Reporter
Eine Garage in Kradolf im Kanton Thurgau steht unter Wasser, nachdem der kleine Bach im Dorf übers das Ufer getreten ist.

Eine Garage in Kradolf im Kanton Thurgau steht unter Wasser, nachdem der kleine Bach im Dorf übers das Ufer getreten ist.

Leser-Reporter

Stromausfälle, überflutete Keller und gesperrte Strassen: Das starke Gewitter vom Sonntagabend hat Bäche über die Ufer treten lassen und die Einsatzkräfte in der Region Wil SG die ganze Nacht über auf Trab gehalten. Über 340 Schadensmeldungen gingen ein.

Besonders hart getroffen hat es Kradolf TG. «Ich wollte mein Fahrzeug aus der Garage fahren, doch das Wasser war schon extrem hoch», sagt ein 45-jähriger Anwohner. «Ich musste mein Auto dem Schicksal überlassen.»

Grosser Einsatz

Rund 150 Personen von Sicherheitsverbund, Feuerwehren und Zivilschützern waren die ganze Nacht über mit 25 Fahrzeugen im Einsatz, wie der Sicherheitsverbund der Region Wil am frühen Montagmorgen mitteilte. Die Arbeiten dauern an.

«Das Gewitter hat die Region Wil in einem bisher noch nie erlebten Ausmass getroffen – ich kann mich nicht an ein vergleichbares Unwetterereignis bezüglich Heftigkeit oder Anzahl Einsätze erinnern», wird Andreas Dobler, Geschäftsführer des SVRW, zitiert.

Situation bleibt kritisch

Am Bodensee fielen innert zwölf Stunden bis zu 108 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist mehr als die normale Menge in ganzen Monat Juni, die 102 Liter beträgt, wie der Wetterdienst MeteoNews am Montagmorgen mitteilte. Weil heute noch 10 bis 20 Liter dazukommen, sei die Situation in der Ostschweiz und vor allem am Bodensee kritisch. Am Dienstag dürfte sich die Lage etwas entspannen.

Die Niederschläge liessen Flüsse über die Ufer treten. Im Kanton Thurgau gingen bis zum Morgen rund 500 Schadensmeldungen ein, wie die Kapo mitteilte. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz. Besonders betroffen war die Region Sulgen/Kradolf/Erlen. Wasser drang in Keller, Tiefgaragen, Unterführungen und Wohnungen. Mehrere Strassen sind noch gesperrt.

Wassermassen rissen Fahrzeuge mit

In Wil wurden Fahrzeuge von den Wassermassen mitgerissen und Häuser überflutet. In Maugwil wurde eine Reithalle überschwemmt. Im Wiler Stadtteil Rossrüti trat der Krebsbach über die Ufer. Davon betroffen war auch das zentrale Elektrizitäts-Unterwerk. Im Quartier fiel um 17.30 Uhr der Strom aus. Die Bewohner konnten erst ab 22.40 Uhr dank mehrerer Notstromgruppen wieder mit Elektrizität versorgt werden.

Die A1 wurde bei Wil überschwemmt und in Richtung Zürich mit Schlamm und Geröll verschüttet. Insgesamt müssen rund 250 Kubikmeter Kies und Schlamm entfernt werden. Die Autobahn konnte am Montagmorgen wieder freigegeben werden. Auch kantonale und kommunale Strassen in der Region wurden stark verschmutzt.

Rund 320 Schadensmeldungen gingen bei den Behörden ein. Meldungen über Personenschäden lagen nicht vor. Über die Höhe des Sachschadens können noch keine Angaben gemacht werden.

Feuerwehren im Dauereinsatz

Auch in den Kantonen Solothurn und Aargau hatten die Feuerwehren alle Hände voll zu tun. 35 Meldungen gingen bei der Solothurner Polizei ein, rund 50 bei der Aargauer Polizei. Betroffen vom Starkregen war die Region Niederamt und besonders die Gemeinde Däniken. Wasser war in mehrere Liegenschaften eingedrungen und vereinzelt waren Schächte verstopft. Personen wurden nicht verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Im Kanton Aargau fiel besonders in der Region Zofingen-Oftringen viel Regen. Feuerwehren mussten ausrücken. Viel Wasser befand sich auch auf der A1 in Safenwil. In Fahrtrichtung Bern musste die Autobahn jedoch nicht gesperrt werden.

Öffentlicher Verkehr betroffen

Von den Überschwemmungen betroffen war auch der Schienenverkehr. So ist die Strecke zwischen Sulgen und Kradolf auf der Linie Weinfelden–Gossau SG bis etwa 18 Uhr unterbrochen. Die Postautolinie zwischen Frauenfeld und Tobel-Affeltrangen TG ist voraussichtlich noch bis Dienstag um 9 Uhr beeinträchtigt.

Starker Regen fiel auch in der Region Bern-Freiburg. Im Kanton Freiburg pumpten zehn Feuerwehren Untergeschosse leer. Bei der Kapo Bern gingen gegen 120 Anrufe aus dem vom Gewitter heimgesuchten Seeland ein. Zwischen Kerzers und Ins auf der Linie Bern–Neuenburg bleibt die Strecke für den Bahnverkehr bis 18 Uhr unterbrochen.

Gewitterzelle wird zur Gewitterlinie

Anschliessend zog das Unwetter in mehrere Regionen im Kanton Freiburg, wobei es die Gegend zwischen Romont und Murten besonders heftig heimsuchte. Die Gewitterzelle wurde zur Gewitterlinie und tobte stationär zwischen Schwarzenburg und Neuenburg.

Im Osten traf das Unwetter zuerst das Voralbergische und sprang dann über das Rheintal zum Alpstein und zur Alviergruppe. Im Sarganserland hagelte es. In Oberschan gingen in kurzer Zeit 18 Liter Regen pro Quadratmeter nieder.

Diese Gewitterzelle zog weiter Richtung Zürcher Oberland und in den Thurgau. Dort formierte sich erneut eine ausgeprägte Hagellinie, wie die Meteorologen berichteten. In einer Garage in Kradolf steht das Wasser meterhoch. «Ich war schockiert und wusste im ersten Moment nicht, was ich machen sollte», berichtet der Inhaber. Drei Lastwagen seien vom Wasser weggedrückt worden.

Über 200 Feuerwehrleute im Einsatz

Die kleine Gemeinde im Kanton Thurgau ist von den Fluten besonders stark betroffen. «Es ist für uns ein aussergewöhnlich heftiges Ereignis. So etwas haben wir seit 45 Jahren nicht mehr erlebt», sagt Walter Schönholzer, der Gemeindepräsident von Kradolf. Dennoch sei die Lage derzeit unter Kontrolle.

Insgesamt stehen in den Gemeinden Sulgen, Kradolf und Erlen über 200 Einsatzkräfte im Einsatz. «Es wird noch mehrer Tage dauern, bis alle Keller ausgepumpt sind, sagt Peter Steffen, der Feuerwehr-Kommandant von Erlen.

Die Strasse zwischen Sulgen und Bischofszell sowie Richtung Erlen sind zurzeit gesperrt. Auch die SBB-Linie Sulgen-Kradolf und Sulgen-Erlen können derzeit nicht befahren werden.

Bahnlinie gesperrt

Auch im Kanton Aargau fiel besonders in der Region Zofingen-Oftringen viel Regen. Wasserlachen sammelten sich auch auf der Autobahn A1 in Safenwil. Auch zwischen Aarau-West und Oftringen stauten sich am Montagvormittag in beiden Richtungen die Autos wegen Hochwassers.

Der starke Regen hatte vor allem das Niederamt heimgesucht. Wasser drang in mehrere Liegenschaften ein. Personen wurden nicht verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Im Seeland bleibt die Bahnlinie Bern-Neuenburg zwischen Kerzers FR und Ins BE voraussichtlich bis am Montagabend um 18 Uhr unterbrochen. Die starken Regenfälle spülten bei Ins an zwei Stellen den Bahndamm und die Kabeltrassees fort. Arbeiter sind nun daran, beide Anlagen wiederherzustellen. Ersatzbusse sind im Einsatz.

Parkhäuser und Unterführungen überflutet

In Ins fielen am Sonntagabend 54 Liter Regen pro Quadratmeter, wie MeteoNews mitteilte. Zahlreiche Schadensmeldungen gab es auch aus dem Oberaargau und dem Schwarzenburgerland. Verletzt wurde auch im Kanton Bern niemand.

Alle Hände voll zu tun hatten die Einsatzkräfte auch in Pratteln BL, Muttenz BL und Liestal, wie die Polizei Basel-Landschaft am Montag mitteilte. Vereinzelt wurden zudem auch Strassen, Parkhäuser und Unterführungen überflutet oder Alarmanlagen ausgelöst.

Zum Liveticker im Popup (chk/jeh/dia/sda)

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