Sextortion: Mehrere Basler mit Sexbildern erpresst
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SextortionMehrere Basler mit Sexbildern erpresst

Bei der Staatsanwaltschaft häuften sich in den vergangenen Tagen Anzeigen von Sextortion-Opfern. In mindestens einem Fall hatten die Erpresser ein Video online gestellt.

von
lha

So geht Sextortion: Ein 20 Minuten Redaktor chattete auch schon mit einer Betrügerin. (Video: 20 Minuten)

Vier Personen haben in den letzten Tagen Anzeige erstattet, weil sie von unbekannten Tätern mit Sexbildern erpresst wurden, teilte die Basler Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. In mindestens einem Fall wurde ein Nackt-Video eines jungen Mannes ins Internet gestellt.

Das Opfer hatte zunächst die Freundschaftsanfrage einer unbekannten Frau in einem sozialen Netzwerk erhalten. Dort vereinbarten sie einen Videochat. Die Frau zog sich dann vor der Kamera aus und forderte vom jungen Mann, dasselbe zu tun. Was er nicht ahnte: Das Video wurde aufgezeichnet. Nach dem Chat teilte ihm die Frau dann mit, dass es veröffentlicht werde, wenn er nicht mehrere tausend Franken bezahle. Der Mann weigerte sich, worauf der Clip ins Netz gestellt wurde.

«Perfides Vorgehen»

«Das Phänomen ist nicht neu, aber das Vorgehen ist perfid», sagt Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft. In den Erpressungsfällen würden die Opfer von den Tätern unter freundschaftlichem oder romantischem Vorwand kontaktiert und dann dazu gedrängt, sich zu entblössen. Sind die Bilder erst übertragen und gespeichert, sind die Opfer völlig ausgeliefert.

«Die Staatsanwaltschaft rät dringend davon ab, intime Aufnahmen von sich zu übermitteln», mahnt Gill. Denn nicht nur Erpresser seien eine Gefahr. Auch zunächst ehrliche Beziehungen könnten schmerzhaft auseinander gehen und sensitive Aufnahmen aus Rache verbreitet werden. «Sind die Daten erst einmal im Internet, hat man jegliche Kontrolle über ihre Verbreitung verloren.»

Erpresser oft im Ausland

Die Täter befinden sich laut Staatsanwaltschaft in solchen Fällen oft im Ausland. Die Behörde warnt eindringlich davor, sich darauf einzulassen, intime Bilder im Netz auszutauschen und Unbekannten Geld zu überweisen. «Eine Zahlung ist keine Garantie, dass die Erpressung endet», warnt Gill. Tatsächlich könne sie die Täter dazu motivieren, mehr Geld zu fordern.

Im Fall einer Erpressung soll mit den jeweiligen Plattformen Kontakt aufgenommen werden, um die Veröffentlichung zu verhindern oder die Aufnahmen schnellstmöglich zu löschen. Zudem rät die Staatsanwaltschaft, Anzeige zu erstatten. Das Wichtigste sei aber die präventive Sensibilisierung der Bevölkerung, denn die Täter seien oft nur sehr schwer aufzuspüren.

Bei Verdacht Kontakt abbrechen

Opfern von Sextortion – Zusammengesetzt aus Sex und Extortion (Englisch für Erpressung) – rät die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik), den Kontakt zu dieser Person sofort abzubrechen und keinesfalls auf die Erpressung einzugehen. Hat man bereits gezahlt, empfiehlt sie, Anzeige wegen Erpressung zu erstatten. Dabei sollte man alle gesammelten Beweismittel wie Kontaktangaben, Screenshots von Chats etc. mitnehmen. Jedwede Informationen seien hilfreich, um die bereits schwer fassbaren Täter dingfest zu machen.

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