09.03.2019 07:26

Misox

Mehrere Dutzend Exoten beschlagnahmt

Drei Reptilien waren bereits tot, andere müssen vielleicht eingeschläfert werden. Polizei und Amtstierärzte beschlagnahmten rund 70 exotische Tiere bei einer Halterin im Misox.

von
jeb
1 / 2
Diese zwei Bartagamen wurden im Misox in Südbünden beschlagnahmt.

Diese zwei Bartagamen wurden im Misox in Südbünden beschlagnahmt.

Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit ALT
Ebenso diese Madagaskarboa. Bei der Tierhalterin wurden am Donnerstag (7.3.2019) mehrere Dutzend exotische Tiere beschlagnahmt

Ebenso diese Madagaskarboa. Bei der Tierhalterin wurden am Donnerstag (7.3.2019) mehrere Dutzend exotische Tiere beschlagnahmt

Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit ALT

Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT) und die Kantonspolizei Graubünden haben am Donnerstagnachmittag im Misox, ganz im Süden des Kantons Graubünden, mehrere Dutzend exotische Tiere beschlagnahmt. Insgesamt seien es rund 70 Tiere. Die Tierhalterin wurde wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz verzeigt, wie die Kantonspolizei am Freitagnachmittag mitteilte.

Die Amtstierärzte, darunter ein Reptilienspezialist, und die Kantonspolizei Graubünden fanden im Einfamilienhaus der Tierhalterin stark geschwächte, wegen ungenügender Nahrung, Flüssigkeit und Betreuung dahinvegetierende exotische Heim- und Wildtiere vor.

Drei Tiere tot

In einem Spezialfahrzeug mit Gehegen wurden sie an einen sicheren Ort gebracht, wo sie tierärztlich untersucht, behandelt und umsorgt werden. Es ist nicht auszuschliessen, dass einzelne stark geschwächte Tiere eingeschläfert werden müssen. Drei Reptilien waren bereits tot, als sie aufgefunden wurden.

Unter den beschlagnahmten Tieren befanden sich verschiedene Schlangenarten, Grünleguane, Bartagamen, Geckos, Webspinnen, Katzen, ein Papagei, ein Kaninchen sowie Schildkröten. 24 Schildkröten befinden sich im Winterschlaf und werden durch die Behörden überwacht.

Falsche Tierliebe

Doch wie konnte es so weit kommen? «Bei der Menge und Vielzahl an Arten von Tieren kommt man schnell einmal an seine Grenzen», sagt Kantonstierarzt Giochen Bearth. Zum konkreten Fall kann er wenig sagen, da es sich um eine laufendes Verfahren handle. Generell könne man sagen, dass es auch Leute gebe, die wie Messies Tiere ansammeln würden. «Das geschieht oft aus falscher Tierliebe, wenn zum Beispiel jemand wiederholt Tiere bei sich aufnimmt.» Dass sei wohl gut gemeint, aber wenn man sich nicht ausreichend um die Tiere kümmern könne, habe man das Herz am falschen Ort.

Auch für das Amt seien die vielen Exoten eine Herausforderung. Man müsse einerseits genügend Platz für die Tiere haben, andererseits Spezialisten, die die Exoten kennen und betreuen können. Als Erstes würden die Tiere nun auf ihre Gesundheit untersucht. Dabei gelte es beispielsweise auf Pilzinfektionen zu achten. Unter diesen würden Reptilien oft leiden. Glücklicherweise könnten die Amtstierärzte auf ein Netz von Spezialisten zurückgreifen, die das Amt bei der Pflege und Handhabung der Tiere unterstützten.

Hundebiss als Auslöser

Der Halterin kam man wegen eines Hundebisses auf die Spur. Jemand aus dem familiären Umfeld wurde vom Hund der Frau gebissen und liess sich medizinisch betreuen. Da Hundebisse meldepflichtig sind, wurde man auf die Frau aufmerksam und stiess in der Folge auf die weiteren Tiere.

Grundsätzlich sei es für das Amt schwierig, auf Missstände bei Reptilien aufmerksam zu werden. Nur schon, weil diese in der Regel nicht für jeden sichtbar gehalten würden – wie etwa Kühe in einem Stall. «Mit einer Schlange geht man ja nicht spazieren wie mit einem Hund», sagt Bearth.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.