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TV wird teurer«Mehrere Streaming-Abos werden zum Standard»

Neben Apple steigt auch Disney ins Streaming-Geschäft ein. Wer bei Filmen und Serien mitreden wolle, brauche mindestens zwei Abos, sagt ein Experte.

von
jk
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Amazon Prime Video, Sky Sports, DAZN: In der Schweiz gibt es zahlreiche Streaming-Anbieter.

Amazon Prime Video, Sky Sports, DAZN: In der Schweiz gibt es zahlreiche Streaming-Anbieter.

Keystone/Christian Beutler
Rund 1,5 Millionen Schweizer setzen auf Netflix.

Rund 1,5 Millionen Schweizer setzen auf Netflix.

Rolf Vennenbernd
Youtube ist kostenlos und technisch gesehen ein Streaming-Dienst. Im Alltag wird Youtube aber eher als Videoportal wahrgenommen. Dennoch sind immer mal wieder ganze Filme oder Serien auf Youtube verfügbar. Mit Youtube Premium hat die Video-Plattform seit einiger Zeit einen kostenpflichtigen Streamingdienst (15.90 Franken pro Monat).

Youtube ist kostenlos und technisch gesehen ein Streaming-Dienst. Im Alltag wird Youtube aber eher als Videoportal wahrgenommen. Dennoch sind immer mal wieder ganze Filme oder Serien auf Youtube verfügbar. Mit Youtube Premium hat die Video-Plattform seit einiger Zeit einen kostenpflichtigen Streamingdienst (15.90 Franken pro Monat).

Monika Skolimowska

Netflix bekommt Konkurrenz: Vergangenen Montag hat Apple angekündigt, mit dem eigenen Streaming-Dienst TV+ den Markt aufzumischen. Obwohl es auch in der Schweiz mittlerweile ein relativ breites Angebot an Streaming-Diensten gibt (hier sind alle aufgelistet), vertraut die grosse Mehrheit auf Netflix.

So besassen 2018 über 1,5 Millionen Schweizer Zugang zu einem Netflix-Account. Das zeigen Zahlen aus dem «IGEM Digimonitor 2018». 2015 waren es erst rund 320'000 Netflix-Nutzer gewesen (siehe Box).

Ein einziges Abo reicht bald nicht mehr aus

Doch Apple und Disney treiben die Zersplitterung im Streaming-Markt voran. Für Digital-Experte Jean-Claude Frick vpm Comparis.ch ist klar: «Wer bei Filmen und Serien mitreden will, braucht mindestens zwei Streaming-Abos.»

Frick denkt dabei an Trend-Serien wie etwa «Game of Thrones», die exklusiv bei HBO läuft, während sich Netflix zunehmend mit eigens produzierten Inhalten abheben will. Liefere zudem Apple mit seinem neuen Dienst Inhalte, die man gesehen haben müsse, dränge sich auch dort ein Abo auf – ganz zu schweigen vom zusätzlichen Angebot für Sportfans: «Dann wird es leider richtig teuer.»

«Der Kampf um gute Inhalte wird für die Streaming-Anbieter immer wichtiger. Es geht darum, wer Zugang zu welchen Inhalten hat», erklärt Siri Fischer, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Elektronische Medien (IGEM). So beobachte die IGEM, dass Nutzer ihre Streaming-Dienste aufgrund spezifischer Inhalte abonnierten, und nicht, weil sie generell auf den Anbieter vertrauen würden.

Fragmentierung vor allem im Sportbereich

Das lasse sich gerade beim Streaming im Sportbereich gut erkennen. «Die Nutzer verwenden einen Streaming-Dienst deshalb, weil er die Rechte zur Übertragung einer Liga hat, in der ihr Lieblingsclub spielt. Verliert der Anbieter diese Rechte, wird er auch die entsprechenden Nutzer verlieren», so Fischer. Sie gehe deshalb davon aus, dass auch die hiesige Übermacht von Netflix nur so lange bestehen bleibe, wie Netflix die exklusivsten Inhalte anbieten könne.

Digital-Experte Frick erkennt im Sportangebot ebenfalls eine wichtige Entwicklung: «Der Streaming-Markt fragmentiert sich immer stärker. Man sieht das vor allem bei Sportübertragungen. Jede Sportart oder Liga findet auf eigenen Kanälen statt, und wer etwa Fussball und Eishockey schauen möchte, braucht zwei verschiedene kostenpflichtige Abos.»

Auch Disney steigt ein

Ähnliches geschehe momentan bei den Videostreaming-Diensten. Bestimmte Inhalte seien nur bei einem einzelnen Anbieter zu sehen, sagt Comparis-Experte Frick. Der Einstieg von Apple und vor allem jener von Disney, der Ende dieses Jahres erfolgen soll, verstärkten diese Zerteilung zusätzlich: «So werden Disney-Produktionen voraussichtlich Ende 2019 von Netflix verschwinden, weil Disney dann selber ins Streaming-Geschäft einsteigen will.»

Illegaler Zugang ist mühsam, aber einfach

Das könnte das illegale Streamen fördern. Schon heute sind längst nicht mehr alle bereit, für Streaming-Angebote monatlich zu bezahlen. Es sei zwar nicht unbedingt schwierig, sich illegal Zugang zu Streaming-Diensten zu verschaffen, so Frick. Aber den meisten Nutzern sei das zu mühsam.

Im Darknet etwa könne man sich für 5 Franken Zugangsdaten zu einem Netflix-Account kaufen und diesen dann beliebig verwenden. «Da die meisten Streaming-Dienste mehrere Nutzer unterstützen, die gleichzeitig schauen, fliegt der Schwindel oft erst nach Monaten auf. Dann nämlich, wenn die eigentlichen Besitzer des Accounts merken, dass ein Unbekannter mitschaut.»

Wer streamt was?

Netflix ist vor allem bei Jüngeren und Personen mit höherem Haushaltseinkommen beliebt, wie der «IGEM Digimonitor 2018» zeigt. Etwa gleich viele Männer wie Frauen nutzen den Streaming-Dienst. Andere Anbieter wie Sky Ticket oder Amazon Prime Video werden im Gegensatz dazu vorwiegend von Männern benutzt.

Während fast ein Viertel der Schweizer Netflix mindestens gelegentlich nutzt, sind es bei Sky und Teleboy je vier Prozent der Bevölkerung, bei Amazon Prime gute zwei Prozent. Den Sportprogramm-Anbieter DAZN nutzen gerade mal 0,2 Prozent aller Schweizer gelegentlich.

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