Bier und Wein: Mehrheit der Schweizer will keinen Alkohol in der Migros

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Bier und WeinMehrheit der Schweizer will keinen Alkohol in der Migros

Für 58 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ist klar: Die Migros soll auch künftig keine alkoholischen Getränke verkaufen. Das zeigt eine exklusive Umfrage von 20 Minuten und Tamedia. Im Juni folgt die alles entscheidende Abstimmung.  

von
Dominic Benz
Barbara Scherer
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Die Migros-Genossenschaften würden künftig gerne auch alkoholische Getränke verkaufen.

Die Migros-Genossenschaften würden künftig gerne auch alkoholische Getränke verkaufen.

Tamedia/ Urs Jaudas
Gegen den Alkoholverkauf stimmen Frauen mit insgesamt 61 Prozent etwas mehr als Männer mit 52 Prozent.

Gegen den Alkoholverkauf stimmen Frauen mit insgesamt 61 Prozent etwas mehr als Männer mit 52 Prozent.

20min/Celia Nogler
Jüngere Personen befürworten Alkohol in der Migros tendenziell häufiger als ältere. So sind 48 Prozent der 18- bis 34-Jährigen für Bier, Wein und Schnaps in der Migros.

Jüngere Personen befürworten Alkohol in der Migros tendenziell häufiger als ältere. So sind 48 Prozent der 18- bis 34-Jährigen für Bier, Wein und Schnaps in der Migros.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

Bier, Wein und Schnaps gibts in der Migros nicht. Die Statuten des Unternehmens verbieten den Verkauf von Alkohol. Doch das könnte sich aber schon bald ändern: Anfang Juni stimmen die Mitglieder der regionalen Migros-Genossenschaften über eine Aufhebung des Verbots ab.

Für die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer ist aber schon jetzt klar: Die Migros soll auch künftig keinen Alkohol verkaufen. Das zeigt eine exklusive Umfrage von 20 Minuten und Tamedia in Zusammenarbeit mit LeeWas (siehe Box unten).

Von den knapp 10’000 Befragten sind 58 Prozent gegen den Alkoholverkauf und 38 Prozent dafür. Vier Prozent haben sich einer Antwort enthalten.

Jüngere sind eher pro Alkohol

Gegen den Alkoholverkauf stimmen Frauen mit insgesamt 61 Prozent etwas mehr als Männer mit 52 Prozent. Jüngere Personen befürworten Alkohol in der Migros tendenziell häufiger als ältere. 

Für knapp zwei Drittel der Alkohol-Befürworter spricht das Argument, dass die Migros bereits heute im Denner, im Migros-Onlineshop und im Migrolino Alkohol verkauft, am ehesten für die Aufhebung des Verbots. Bei den Gegnern stimmen 68 Prozent dem Argument zu, dass der Alkohol-Verkauf «Verrat am Erbe Gottlieb Duttweilers» sei. Der Migros-Gründer wollte die Menschen vor dem Suchtmittel Alkohol schützen. 

Das ist die Umfrage

Dass die Mehrheit der Befragten keinen Alkohol will, überrascht die Migros nicht. Sprecher Patrick Stöpper sagt: «Wir sind uns bewusst, dass die Hürde für die Aufhebung des Alkoholverbots sehr hoch ist.» Entscheiden würden aber letztlich die stimmberechtigten Mitglieder der zehn regionalen Migros-Genossenschaften. 

Doch befeuert die Migros bei einem Wegfall des Verbots nicht den Alkoholkonsum der jüngeren Bevölkerung? «Nein, die Migros bleibt ein verantwortungsvolles Unternehmen», so der Sprecher. Das Angebot alkoholischer Getränke würde mit Augenmass und abgestimmt auf die regionalen Bedürfnisse der Kundschaft gestaltet.

Der Verkauf von Alkohol wäre für die Migros auch kein Verrat an Gottlieb Duttweiler. Wichtig sei, dass es eine demokratische Abstimmung über die Alkoholfrage gebe. Immerhin habe Duttweiler selbst 1948 eine Abstimmung zum Alkoholverkauf durchführen lassen. 

Migros ist einzigartig wegen Alkoholverbot

Auch das Blaue Kreuz ist nicht überrascht über das Resultat der Umfrage. «Viele Menschen schätzen die Migros und ihre Werte – dazu gehört auch der Verzicht auf den Verkauf von Alkohol», erklärt Präsident Philipp Hadorn. Die Migros hebe sich mit diesem Konzept von anderen Supermärkten ab.

«Das Alkoholverkaufsverbot macht sie einzigartig», so Hadorn. Zudem biete die Migros rund 300’000 alkoholabhängigen Personen eine sichere Einkaufsmöglichkeit, ohne Versuchungen. Darum sei davon auszugehen, dass auch die Mehrheit der Genossenschaftsmitglieder den Alkoholverkauf ablehnen werde.

Migros-Kinder kennen nichts anderes

Dass es eine hohe Marken-Loyalität bei der Migros gibt, bestätigt Marketing-Experte Felix Murbach: «Vor allem Personen der Migros-Kinder-Generationen sind vermutlich noch mehr mit den traditionellen Wertvorstellungen des Unternehmens verbunden.»

Schliesslich kenne die Migros-Kundschaft es nicht anders. Sollte das Alkohol-Verbot fallen, habe das Unternehmen aber keinen Reputationsschaden zu befürchten. Die Diskussionen dürften zwar andauern: «Doch langfristig werden sich die Konsumentinnen und Konsumenten an Bier und Wein in der Migros gewöhnen.» 

Kampf gegen Konkurrenz

Der Verkauf von Alkohol und Tabak bringt der Migros wohl nur kurzfristig mehr Umsatz. Langfristig nütze das aber nicht viel, sagt Stefan Michel, Marketingexperte der IMD Business School in Lausanne. Denn die Migros müsse die grundsätzlichen Probleme angehen.

«Die Discounter Aldi und Lidl holen nicht nur beim Preis, sondern auch beim Angebot auf. Und Coop überholt die Migros mit neuen Shop-Formaten», so Michel. Eine viel grössere Frage als das Alkohol-Verbot sei etwa, ob die Migros mit ihrer Genossenschaftsstruktur noch zukunftsfähig ist.

So geht es weiter:

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Probleme mit Alkohol?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

My Drink Control, Selbsttest

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